Am 3. Oktober 2026 feiern wir 36 Jahre deutsche Einheit. Hinter diesem Feiertag steht eine lange Geschichte des Ringens um Zusammengehörigkeit. Über Jahrhunderte waren deutsche Länder im Heiligen Römischen Reich verbunden, aber politisch zersplittert. 1848 versuchte die Frankfurter Nationalversammlung, Einheit und Freiheit in einer gemeinsamen Verfassung zu verwirklichen. 1871 entstand schließlich der deutsche Nationalstaat. Nach der nationalsozialistischen Diktatur folgte erneut die Teilung. Sowjetische Machtpolitik und die Errichtung einer sozialistischen Diktatur im Osten verfestigten sie. Seit 1961 trennten Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl Familien und Freunde. 1989 protestierten die Menschen gegen Bevormundung, Überwachung, fehlende Reisefreiheit und die Verweigerung freier Wahlen. Zugleich steckte die sozialistische Planwirtschaft in einer tiefen Krise: Versorgungslücken, veraltete Produktionsanlagen und hohe Auslandsschulden belasteten das Land. Im Herbst 1989 warnte die staatliche Plankommission der DDR vor drohender Zahlungsunfähigkeit. Besonders eindrücklich bleibt der Mut der DDR-Bürger in Leipzig: Am 9. Oktober 1989 demonstrierten rund 70.000 Menschen gegen die SED-Diktatur – trotz der Angst vor einem gewaltsamen Eingreifen. Aus Kerzen, Gebeten und dem Ruf „Wir sind das Volk!“ erwuchs eine Bewegung, die eine scheinbar unerschütterliche Herrschaft ins Wanken brachte. Der Appell „Keine Gewalt!“ unterstrich ihren friedlichen Charakter. Später wurde „Wir sind ein Volk!“ zum Ruf nach Wiedervereinigung. Nach dem Mauerfall am 9. November 1989 wurde am 3. Oktober 1990 die staatliche Einheit von DDR und BRD vollendet. Der Feiertag erinnert damit an überwundene Unfreiheit, wiedervereinte Familien und den Einheitswillen des deutschen Volks.
Die Bibel beschreibt friedliches Zusammenleben als einen besonderen Segen: „Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ (Psalm 133,1). Der Psalm spricht von der Gemeinschaft unter Gottes Volk und lenkt den Blick darauf, wie kostbar Eintracht ist – und wie schmerzhaft Trennungen sind. Gott sieht dabei auch die Völker und ihre Geschichte: Nach Apostelgeschichte 17,26 hat er die Menschen aus einem Ursprung geschaffen und den Völkern ihre Zeiten und die Grenzen ihres Wohnens bestimmt. Auch die große Schar der Erlösten wird als Menschen „aus jeder Nation und aus Stämmen und Völkern und Sprachen“ beschrieben (Offenbarung 7,9). Die Bibel nimmt die Völker und ihre Unterschiede also ausdrücklich wahr und sieht sie als Einheiten, in denen Menschen Gemeinschaft finden. Schon die biblische Völkertafel beschreibt die Menschheit nach ihren Familien, Sprachen, Ländern und Nationen. Gott sieht die Menschen in ihren gewachsenen Gemeinschaften (1. Mose 10,5.20.31–32). Wie bedeutsam die Einheit eines Volkes sein kann, zeigt seine Verheißung für das geteilte Israel: „Und ich werde sie zu einer Nation machen im Land“ – sie sollen nicht länger in zwei Königreiche geteilt sein (Hesekiel 37,22). Die Geschichte Israels zeigt, wie schwer die Folgen politischer Spaltung sein können. Als Rehabeam die Bitte um Entlastung zurückwies und dem Volk noch härtere Lasten ankündigte, zerbrach das Königreich (1. Könige 12). Zum Tag der deutschen Einheit dürfen Christen Gott danken und für die Verantwortlichen beten, dass im Rahmen unserer stattlichen Einheit ein ruhiges Leben in Frieden und Gottesfurcht möglich ist (1. Timotheus 2,1–2).
Das lange Ringen um die deutsche Einheit zeigt, wie tief die Sehnsucht nach ungestörter Gemeinschaft sein kann und wie schmerzlich Trennung ist. Gott hat für den Menschen eine ungestörte Gemeinschaft vorgesehen - und zwar vor allem unsere Gemeinschaft mit ihm. Für diese Gemeinschaft sind wir Menschen geschaffen. Diese Einheit ist bis heute zerstör, nicht durch politischen Entschluss, sondern durch die Sündet: „Eure Ungerechtigkeiten haben eine Scheidung gemacht zwischen euch und eurem Gott“ (Jesaja 59,2). Diese Trennung können wir aus eigener Kraft nicht überwinden. Aber Gott hat seinen Vereinigungsplan nicht aufgegeben. Er sandte seinen Sohn Jesus Christus, um den Weg zurück in die Gemeinschaft mit ihm zu öffnen. Jesus trug am Kreuz unsere Schuld und schuf damit die Grundlage für Versöhnung und Frieden mit Gott. Sein Ziel ist es, uns zu Gott zu führen (1. Petrus 3,18). Wer ihm vertraut, erhält Vergebung und wird als Kind Gottes angenommen. Jesus selbst betet für die Glaubenden, „damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit auch sie in uns eins seien“ (Johannes 17,21). Diese Gemeinschaft mit Gott und der Christenheit ist keine ferne Hoffnung, sondern darf schon heute beginnen und bleibt über den Tod hinaus bestehen. Deshalb lautet die Einladung des Evangeliums: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Korinther 5,20). Es ist an uns, ob wir die Mauer einreißen und diese Einheit wieder herstellen.
