Sonntag, 20. September 2026

Erste Pflichtmusterungen - wer gibt sein Leben für den Frieden?


Die Bundeswehr hat erstmals junge Männer verpflichtend gemustert. Auch solche, die zuvor kein Interesse am Wehrdienst bekundet hatten. Bis Ende August wurden fast 1.000 Achtzehnjährige auf ihre körperliche und psychische Eignung untersucht. Der eigentliche Wehrdienst bleibt vorerst freiwillig. Seit Anfang 2026 müssen jedoch alle jungen Männer einen Fragebogen zur Wehrerfassung beantworten. Schrittweise wird auch die Musterung für Männer des Jahrgangs 2008 verpflichtend. Das ist der Jahrgang meines ältesten Sohnes. Eine allgemeine Wehrpflicht hatte die Bundesrepublik 1956 eingeführt. Sie prägte die Bundeswehr während des Kalten Krieges, wurde nach der Wiedervereinigung verkürzt. Ich selbst leistete meinen Wehrdienst während des Bosnien-Krieges, anschießend diente ich noch für wenige Monate freiwillig. 2011 wurde die Wehrpflicht ausgesetzt – rechtlich jedoch nie abgeschafft. Nun kehrt ein Teil der damaligen Strukturen zurück. Das scheint notwendig, denn die Sicherheitslage hat sich in in den letzten Jahren erheblich verschärft. Der russische Angriffskrieg, hybrider Angriffe auf Deutschland, Provokationen an der NATO-Ostflanke und die Konflikte im Nahen Osten zeigen, warum der Staat auf militärische Einsätze gefasst sein muss. Und ein Staat, der seine Bürger schützen und Bündnisverpflichtungen erfüllen will, der muss wissen, wer im Ernstfall zu seiner Verteidigung fähig ist. 

Die Bibel unterscheidet zwischen privater Vergeltung und der staatlichen Gewalt zur Begrenzung des Bösen. Die Obrigkeit trägt nach Römer 13,4 das Schwert, um Recht und Ordnung zu schützen. Soldaten sollen nicht aus Hass kämpfen, sondern im Rahmen eines begrenzten Auftrags. Die Bibel schreibt dem modernen Staat nicht vor, mit welchem Dienstmodell er dieser Verpflichtung nachkommen soll. Die Verantwortung der Bürger, sich für das eigene Volk und die eigene Familie einzusetzen, kennt sie aber genau. Nehemia ruft den Männern Jerusalems zu: „Kämpft für eure Brüder, eure Söhne und eure Töchter, eure Frauen und eure Häuser!“ (Nehemia 4,14). Das Alte Testament zeigt mehrfach, wie die wehrfähigen Männer für die Verteidigung des Volkes erfasst wurden. Ethisch ist der Zusammenhang einfach. Wer Freiheit und Frieden genießen darf, der ist selbst auch aufgerufen, für diesen Frieden und diese Freiheit und auch für den Schutz seiner Mitmenschen einzustehen. Freiheit ist ein Wertgegenstand, der erarbeitet und verteidigt werden muss. Das Neue Testament beschreibt den moralischen Grundsatz, der dahinter steht, auf einer geistlichen Ebene. „Ihr seid zur Freiheit berufen […] dient einander durch die Liebe“ (Galater 5,13). Jesus Christus selbst sagte einen Satz, der mich in meiner eigenen Dienstzeit begleitet und motiviertr hatte: „Größere Liebe hat niemand als diese, dass jemand sein Leben lässt für seine Freunde“ (Johannes 15,13). Wo die Freiwilligkeit der Bürger allerdings nicht ausreicht, muss der Staat seine Bürger zur gemeinsamen Verteidigung heranziehen - zumindest dann, wenn er Frieden und Sicherheit garantieren will. Anderenfalls gibt der Staat diesen Anspruch gegenüber seinen Bürgern auf. 

Doch selbst die größte Armee kann keinen dauerhaften Frieden schaffen. Sie kann einen äußeren Feind abschrecken, Grenzen verteidigen und Gewalttäter zurückdrängen. Den Hass im menschlichen Herzen kann sie nicht besiegen. Das konnte nur einer: Jesus Christus. Er gab sein Leben nicht nur für seine Freunde, wie er es von uns Menschen erhofft hatte (Johannes 15,13, siehe oben). Jesus ging weiter. Er gab sein Leben sogar für solche Menschen, die seine Feinde waren. „Als wir Feinde waren, wurden wir mit Gott versöhnt durch den Tod seines Sohnes“ (Römer 5,10). Wer waren diese Feinde Gottes, für die Jesus starb? Diese Feinde Gottes, das waren alle Menschen. Doch am Kreuz ertrug Jesus die Strafe für diese Schuld. Wer ihm glaubt, erhält Frieden mit Gott – einen Frieden, den keine Waffe erzwingen und kein Krieg zerstören kann. Unser Land braucht Menschen, die bereit sind, andere zu schützen. Noch dringender braucht jeder Mensch den Retter, der sein Leben für seine Feinde gab.