Mittwoch, 23. September 2026

Reformen nach dem Wahlbeben: Wer übernimmt Verantwortung für morgen?


Nach den Wahlniederlagen von Union und SPD geraten bereits vereinbarte Reformen wieder ins Wanken. Verhandelt wird erneut über die Rente nach 45 Beitragsjahren, Pflege und Krankenkassen, Steuern und Regeln für Krankschreibungen. Die Zahlen lassen keinen Zweifel am Reformbedarf: Bis Mitte der 2030er-Jahre steigt die Zahl der Menschen ab 67 Jahren von derzeit 16,7 auf mindestens 20,1 Millionen. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Beitragszahler rasch ab. Die gesetzliche Krankenversicherung muss allein für das Jahr 2027 eine Finanzierungslücke von rund 19 Milliarden Euro schließen. Der Pflegeversicherung droht ohne Reform im selben Jahr ein Defizit von mehr als 7,6 Milliarden Euro. Zugleich summieren sich die Sozialversicherungsbeiträge, die Beschäftigte und Arbeitgeber bezahlen müssen, bereits heute auf rund 42 Prozent des Lohns. Beschäftigung in Deutschland wird damit für Arbeitgeber immer teurer, die Streichung von Arbeitsplätze ist die Folge. Ohne Reformen ist der gewohnte Wohlstand in Deutschland nicht zu halten. Fachleute und Kommissionen haben Vorschläge erarbeitet. Über soziale Härten und die konkrete Ausgestaltung wird noch gestritten. Doch wenn notwendige Entscheidungen aus Angst vor der nächsten Wahl verschleppt oder aufgegeben werden, steigen die Lasten für Beschäftigte, Unternehmen und vor allem für die kommende Generationen.

Das alles sind unangenehme Wahrheiten. Für uns, aber auch für Politiker. Die Bibel kennt die Versuchung, Schwierigkeiten zu verdrängen und dem Volk nur zu sagen, was es hören möchte. König Josia ließ sich durch Gottes Wort korrigieren und beseitigte Missstände, die sich über lange Zeit festgesetzt hatten (2. Könige 22–23). Der Prophet Jeremia dagegen tadelte Verantwortliche, die einen tiefen Schaden oberflächlich behandelten und „Friede“ versprachen, obwohl kein Friede war (Jeremia 6,14). Verantwortliche müssen sorgfältig prüfen, wen eine Entscheidung trifft und welche Härten abgefedert werden können. Aber sie dürfen eine erkannte Gefahr für die Zukunft nicht aus Furcht vor Unzufriedenheit stehen lassen. Auch die Kosten gehören auf den Tisch: Jesus spricht vom Bauherrn, der sich zuerst hinsetzt und berechnet, ob er sein Vorhaben zu Ende führen kann (Lukas 14,28). Und für den Staat gilt, was auch für jeden privaten Haushalt gilt: Schulden können Einsparungen nicht dauerhaft ersetzen. „Der Schuldner ist ein Knecht des Gläubigers“, warnt Sprüche 22,7. In überschuldeten Staaten werden Entscheidungen zunehmend von Banken und vom Ausland getroffen, oft nicht im Interesse des Volkes. Wer heute Leistungen verspricht und ihre Finanzierung kommenden Generationen überlässt, entzieht sich seiner Verantwortung. Gute Führung hört zu, erklärt ihre Entscheidungen und tut das Richtige auch dann, wenn der leichtere Weg gerade beliebter wäre.

Was für den Staat gilt, das gilt auch für uns. Unser Leben kann äußerlich geordnet sein und sein Ziel dennoch verfehlen. Vielleicht suchen wir Erfüllung in Erfolg, Sicherheit oder Anerkennung - und obwohl wir alles haben, sind wir doch nicht erfüllt. Ein Grund kann sein, dass wir mit unseren Anstrengungen zwar die Ansprüche der Menschen um uns her befriedigen können aber nicht die Ansprüche, die Gott an uns hat. Kein Erfolg in Beruf, Familie oder Politik kann unsere Schuld vor Gott beseitigen. Mit keiner Leistung können wir unserem Leben bleibenden Halt geben. Jesus ruft die Menschen zu einer radikalen Reform unseres Lebens auf: „Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“, sagt er (Johannes 3,3). Diesen Neuanfang können wir nicht selbst beschließen oder erarbeiten. Jesus Christus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung den Weg zu Gott geöffnet. Wer ihm vertraut, empfängt Vergebung - und ein neues Leben, das in die Zukunft trägt.