Sonntag, 13. September 2026

Wie abhängig sind wir? Die Ölversorgung und die Straße von Hormus


Angriffe auf Transportwege bei Saudi-Arabien und in der Straße von Hormus wecken erneut Sorgen um unsere Energieversorgung. Die Meerenge zwischen Iran und Oman ist einer der wichtigsten Wege für Öltanker aus der Golfregion. Zur Größenordnung: Im Jahr 2022 passierten sie nach Angaben der US-Energiebehörde EIA täglich mit rund 21 Millionen Barrel Öl – etwa ein Fünftel des damaligen weltweiten Verbrauchs. Nur ein geringer Teil dieses Öls geht nach Deutschland. 2024 stammten rund 7,3 Prozent der deutschen Rohölimporte aus Irak und Saudi-Arabien – Ländern, die Öl auch über die Straße von Hormus ausführen. Aber: Öl wird weltweit gehandelt. Wenn ein wichtiger Transportweg bedroht ist, können höhere Preise auch Menschen treffen, die weit entfernt leben – beim Tanken, Heizen oder über die Kosten transportierter Waren. Die Nachrichten machen sichtbar, wie abhängig wir sind von Handelswegen und von Frieden in anderen Teilen der Welt.

Die Bibel warnt vor Abhängigkeiten. Wie gefährlich eine selbst eingegangene Bindung werden kann, schildern die Sprüche am Beispiel einer Bürgschaft: „Reiß dich los, da du in deines Nächsten Hand gekommen bist!“ (Sprüche 6,3). Paulus schreibt: „Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen“ (1. Korinther 6,12). Geld, Energie und Versorgung sind notwendig. Gefährlich wird es, wenn wir unsere ganze Sicherheit darauf bauen. Zugleich ist Unabhängigkeit kein biblisches Ideal. Menschen brauchen einander. Paulus beschreibt die Gemeinde als einen Leib, dessen Glieder nicht sagen können: „Ich brauche dich nicht“ (1. Korinther 12,21). Es gehört zum Leben dazu, für sichere Versorgung zu arbeiten, Handel zu ermöglichen und füreinander sorgen. Wir müssen aber auch anerkennen, dass ein Leben ohne jede Abhängigkeit nicht möglich ist.

Aber es gibt eine Abhängigkeit, auf die kein Mensch verzichten sollte: Die Abhängigkeit von dem, der uns geschaffen hat. Gott trägt die gesamte Schöpfung, hat uns das Leben geschenkt und uns viel Gutes gegeben. „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“, sagte Jesus. „Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht, denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun“ (Johannes 15,5). Eine Rebe ist nicht stark, weil sie unabhängig ist. Sie lebt, weil sie mit dem verbunden bleibt, der sie versorgt. Menschen brauchen mehr als eine verlässliche Versorgung mit dem, was unser Körper benötigt: Wir brauchen Frieden mit Gott und neues Leben. Jesus Christus hat durch seinen Tod und seine Auferstehung den Weg dazu geöffnet. Wer ihm seine Schuld bekennt und ihm vertraut, findet in ihm einen Halt, der auch dann trägt, wenn vertraute Sicherheiten ins Wanken geraten.