In der vergangenen Nacht ist eine Drohne aus Richtung Belarus tief in den Luftraum Litauens eingedrungen. Sie überflogt Lentvaris, nur wenige Kilometer von Vilnius entfernt. Nahe Kaišiadorys wurde sie von einem NATO-Kampfjet abgeschossen, vermutlich von einem Eurofighter F-2000A Typhoon der italienischen Luftwaffe. Drohnen können Sprengladungen tragen, Menschen töten, Gebäude und Energieanlagen zerstören oder der Aufklärung und Vorbereitung weiterer Angriffe dienen; selbst ihre herabfallenden Trümmer sind gefährlich. Besonders dramatisch an dem Zwischenfall ist die Verwundbarkeit dieses kleinen Gebiets. Zwischen dem russischen Kaliningrad und Belarus bleibt mit dem nur etwa 65 Kilometer breiten Suwałki-Korridor die einzige Landverbindung der baltischen Staaten zu den übrigen NATO-Partnern. Würde dieser Korridor in einem Krieg unterbrochen, wären Litauen, Lettland und Estland auf dem Landweg vom Bündnisgebiet abgeschnitten. Deshalb kann dort bereits eine unklare Luftraumverletzung eine gefährliche Kette von Alarmierungen, Abschüssen und Gegenreaktionen auslösen. Würde ein solcher Vorfall als bewaffneter Angriff bewertet, könnte aus dem Krieg in der Ukraine eine direkte militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO werden – zwischen Mächten, die über gewaltige konventionelle Streitkräfte und Atomwaffen verfügen.
Solche Nachrichten können unser Sicherheitsgefühl erschüttern. Erinnern wir uns, wie oft in der Geschichte kleine Provokationen Auslöser schrecklicher Kriege waren. Der Staat hat die Aufgabe, Freiheit zu ermöglichen, Ordnung zu gewährleisten und äußere Gefahren abzuwehren. Angesichts moderner Technologien und hybrider Kriegsführung ist diese Aufgabe für Regierungen schwieriger geworden. Die Bibel bezeichnet die staatliche Gewalt als „Gottes Dienerin, dir zum Guten“ und sagt, dass sie das Schwert nicht ohne Grund trägt (Römer 13,4) - die Menschen in Vilnius werden dankbar dafür sein, dass der Angriff abgewehrt wurde. Die Bibel verurteilt diejenigen, die Streit anfachen und den Frieden leichtfertig aufs Spiel setzen: „Kohle zur Glut und Holz zum Feuer, und ein zänkischer Mann zum Schüren des Streites“ (Sprüche 26,21). Flugkörper in fremden Luftraum oder militärischen Drohungen können Kriege provozieren. Wer das absichtlich tut, spielt nicht nur mit Grenzen und Waffentechnik, sondern mit dem Leben unzähliger Menschen. „Der Anfang eines Zankes ist, wie wenn einer Wasser entfesselt; so lass den Streit, ehe er heftig wird“ (Sprüche 17,14). Frieden braucht Besonnenheit und Wehrhaftigkeit – nicht Schwäche, aber auch keine Freude an der Eskalation.
Doch selbst der am besten überwachte Luftraum kann dem Menschen keine letzte Sicherheit geben. Militärische Stärke mag einen Angreifer abschrecken, aber sie beseitigt weder die Angst des Herzens noch die Feindschaft des Menschen gegen Gott. Den tiefsten Frieden schafft deshalb kein Bündnis und kein Waffensystem. Jesus Christus hat am Kreuz die Schuld getragen, die uns von Gott trennt - und den Unfrieden in uns verursacht. Wer Jesus glaubt, darf sagen: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Römer 5,1). Dieser Frieden hängt nicht von Radarbildern, Grenzen oder politischen Entscheidungen ab. Dieser Frieden trägt auch dann, wenn die Welt unsicher wird – weil er auf Christus und seinem vollbrachten Werk beruht.
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