Montag, 7. September 2026

Macht Reichtum verdächtig? Was Jesus mit dem Kamel und dem Nadelöhr wirklich sagt



Geld bedeutet Sicherheit, Freiheit, Anerkennung, Möglichkeiten – und manchmal Macht. Deshalb wird über Vermögen so leidenschaftlich gestritten: Sind Reiche besonders erfolgreich oder besonders privilegiert? Ist Gewinnstreben Motor des Wohlstands oder Ausdruck von Gier? Und wie passt dazu eine der bekanntesten Aussagen Jesu: „Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Öhr der Nadel geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingeht“ (Markus 10,25)? Auf den ersten Blick klingt das wie eine Abrechnung mit Reichtum und vielleicht sogar mit einer Wirtschaftsordnung, die auf Eigentum, Unternehmertum und Gewinn beruht. Doch die Bibel zeichnet ein differenzierteres Bild. Sie fordert Menschen auf zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und für andere zu sorgen. „Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen“ (2. Thessalonicher 3,10). Das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ (2. Mose 20,15) setzt persönliches Eigentum voraus. Auch wohlhabende Menschen erscheinen im Neuen Testament nicht automatisch als schlechte Menschen. Die Bibel liefert deshalb weder ein kapitalistisches noch ein sozialistisches Wirtschaftsprogramm. Sie stellt vielmehr eine Frage, die tiefer geht als jede Debatte über Steuersätze und Eigentumsordnungen: Welche Bedeutung hat Besitz für unser Herz?

Genau darum geht es beim reichen jungen Mann in Markus 10. Er kommt zu Jesus und fragt nach dem ewigen Leben. Er führt ein anständiges Leben, kennt die Gebote und meint, vieles richtig gemacht zu haben. Jesus antwortet ihm schließlich: „Eins fehlt dir; geh hin, verkaufe, was du hast, und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!“ (Markus 10,21). Der Mann geht traurig fort, „denn er hatte viele Besitztümer“ (Vers 22). Jesus stellt damit nicht allgemein die Regel auf, jeder Christ müsse besitzlos werden. Er legt vielmehr offen, woran das Herz dieses Mannes hängt. Vor ihm steht derjenige, nach dessen ewigem Leben er gerade gefragt hat – und trotzdem kann er seinen Besitz nicht loslassen. Und das, obwohl Gott selbst vor ihm steht, der ihm ein erfülltes Leben anbietet. Das Problem dieses Mannes ist nicht, dass er Dinge besitzt. Sein Problem ist, dass die Dinge ihn besitzen. Darum ist das Bild vom Kamel und dem Nadelöhr so radikal: Ein Mensch kann sich den Zugang zu Gott nicht erarbeiten, erkaufen oder durch gesellschaftlichen Erfolg sichern. Reichtum kann sogar besonders leicht die Illusion erzeugen, wir hätten unser Leben unter Kontrolle. Jesus nimmt seinen Jüngern jede solche Illusion. Als sie erschrocken fragen: „Wer kann dann errettet werden?“, antwortet er: „Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott; denn bei Gott sind alle Dinge möglich“ (Markus 10,26–27).

Damit trifft die Geschichte nicht nur Millionäre. Auch wer wenig besitzt, kann sein Herz an Geld, Karriere, Sicherheit oder den Wunsch nach mehr hängen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: Wie hoch ist mein Kontostand? Sondern: Worauf verlasse ich mich, wenn es wirklich darauf ankommt? Wirtschaftlicher Erfolg kann vieles erleichtern. Er kann Wohnungen bezahlen, Arbeitsplätze schaffen, Familien versorgen und Not lindern. Aber er kann weder Schuld vergeben noch den Tod überwinden. Vor Gott können wir nichts vorweisen, womit wir uns das ewige Leben verdienen. Genau hier führt die Geschichte des reichen Mannes zu Jesus Christus. Was für Menschen unmöglich ist, hat Gott getan: Jesus ist für Sünder gestorben und auferstanden. Er selbst sagt: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich“ (Johannes 14,6). Der reiche Jüngling musste erkennen, dass sein Besitz ihn nicht retten konnte. Dasselbe gilt für uns – unabhängig davon, ob wir viel oder wenig haben. Die entscheidende Frage unseres Lebens ist nicht, was wir besitzen, sondern wie wir zu Jesus stehen.