Geld ist eines der größten Themen im Neuen Testament. Genau genommen geht es oft weniger um das Geld an sich, sondern um unser persönliches Verhältnis zum Geld. "Die aber, die reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, die die Menschen versenken in Verderben und Untergang. Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, der nachstrebend einige von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben." schreibt der Apostel Paulus (1. Timotheus 6,9f). Deutlicher kann eine Warnung kaum ausfallen. Oder doch?
Ja, es geht noch deutlicher - wenn der Herr Jesus selbst spricht. "So kann nun keiner von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, mein Jünger sein." (Lukas 14,33). Und als ein reicher junger Mann es nicht übers Herz bringen konnte, auf seinen Reichtum zu verzichten, um Jesus nachzufolgen, wurde Jesus sehr deutlich mit dem bekannten Vergleich vom Kamel und dem Nadelöhr: "Und Jesus blickte umher und spricht zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die, die Vermögen haben, in das Reich Gottes eingehen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Jesus aber antwortete wiederum und spricht zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es, dass die, die auf Vermögen vertrauen, in das Reich Gottes eingehen! Es ist leichter, dass ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes eingehe." (Markus 10,23f).
Entsetzen vorprogrammiert - auch unter Christen
Auch viele Christen entsetzen sich bis heute über die peinvolle Klarheit dieser Worte. Wie soll eine vernünftige und anständige Lebensführung auch möglich sein, ohne die Haushaltskasse im Blick zu haben? Nicht zuletzt ist die Liebe zum Geld eine der wichtigsten Triebfedern unserer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die Armut und Leid minimiert, Wohlstand schafft und auch uns Christen ein gutes Leben ermöglicht. Und dennoch weist Gott so deutlich auf die Gefahren hin - und stellt Christen damit vor die schwierige Aufgabe des richtigen Umgangs mit Geld.
Leider lassen sich Millionen von Christen nicht beirren, entgegen aller Warnungen Gottes aus dem Wohlstand der Welt geradezu ein Evangelium zu machen. Und selbst bibeltreue Christen sind bisweilen erstaunlich phantasievoll im Umgang mit überdeutlichen Schriftstellen. Da wird ein Nadelöhr schon mal kurzerhand zu einem Stadttor, unter dem selbst das größte Kamel noch bequem hindurchschlendern kann. Und sowieso könne man auch Geld im Übermaß haben, so lange nur das Herz nicht davon eingenommen sei. Aber der Herr Jesus kennt die dunklen Winkel des menschlichen Seele und findet auch hier deutliche Worte: "Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe einbrechen und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen; denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein." (Matthäus 6,20f). Jesus sagt uns eben nicht, dass wir beim Geld sammeln auf unser Herz achten sollen. Ganz im Gegenteil, Jesus sagt uns, dass wir unser Herz verlieren, sobald wir Geld sammeln. Denn: Wo unser Schatz ist, da wird unser Herz sein.
Wir sollen Reichtum lieben und Schätze sammeln - aber in die richtige Kasse
Dabei hat der Herr Jesus offensichtlich nichts gegen Leistungsbereitschaft. Er fordert uns sogar dazu auf, fleißig Schätze anzusammeln und aufzuhäufen. Aber es kommt darauf an, in die richtige Kasse zu sammeln.
Beim Streben nach ewigen, geistlichen Reichtümern können uns zeitliche Güter allerdings als Arbeitsmaterial dienen. Wir stehen ja in der Welt und können die Dinge der Welt nutzen, um für den Herrn zu wirken. Wir können die vergänglichen Dinge nutzen, um unvergängliche Werte im Himmel aufzubauen. Alles, was wir haben, haben wir vom Herrn, gehört dem Herrn und soll dem Herrn dienen. Von der Haushaltskasse bis zum Betriebsvermögen.
Das ist auch die Botschaft von Paulus an die, die über Vermögen verfügen: "Den Reichen in dem gegenwärtigen Zeitlauf gebiete, nicht hochmütig zu sein noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen, sondern auf Gott, der uns alles reichlich darreicht zum Genuss; Gutes zu tun, reich zu sein an guten Werken, freigebig zu sein, mitteilsam, indem sie sich selbst eine gute Grundlage für die Zukunft sammeln, damit sie das wirkliche Leben ergreifen." (1. Timotheus 6,17f). Lasst uns die Liebe zu vergänglichen Dingen ablegen und die vergänglichen Dinge nutzen für einen Schatz im Himmel, der niemals vergehen wird!
