Künstliche Intelligenz verspricht Wohlstand. Viele erwarten von KI medizinischen Fortschritt, höhere Produktivität und neues wirtschaftliches Wachstum. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Zugleich zeigt die aktuelle Berichterstattung über den KI-Entwickler Anthropic, wie schmal der Grat zwischen Nutzen und Missbrauch geworden ist. Während Nvidia angeblich erwägt, bis zu zehn Milliarden Dollar in Anthropic zu investieren, berichtet das Unternehmen von Versuchen, sein Sprachmodell Claude für Cyberangriffe, Überwachung, Waffensysteme und möglicherweise gefährliche biologische Forschung einzusetzen. In einzelnen Fällen ging es um die Veränderung von Viren oder Toxinen, in anderen um Drohnenschwärme, Raketensteuerung und militärische Aufklärung. Das traurige „Töten auf Knopfdruck“ könnte bald einem Horror des vollautomatischen Tötens weichen. Anthropic betont zwar, verdächtige Konten gesperrt und zahlreiche Anfragen blockiert zu haben. Doch die Schutzsysteme hielten nicht in jedem Fall stand. Zugleich sollen chinesische Konkurrenten Claude millionenfach über falsche Konten genutzt haben, um eigene Modelle zu verbessern. So verbindet sich der wirtschaftliche Wettlauf um Milliarden mit einem sicherheitspolitischen Wettlauf, dessen Folgen kaum abzusehen sind.
Die Bibel kennt keine künstliche Intelligenz. Aber die Bibel kennt den Menschen. Und sie weiß, dass der Mensch bereitwillig fortschrittliche Technologie entgegen Gottes Willen zum Einsatz bringt. Nach dem Turmbau zu Babel sagte Gott: „Nun wird ihnen nichts verwehrt werden, was sie zu tun ersinnen“ (1. Mose 11,6). Das ist keine Warnung vor technischem Fortschritt an sich. Der Mensch hat von Gott Verstand und Gestaltungskraft erhalten. Und den klaren Auftrag, diese Erde zu gestalten und zu verwalten. Leider wachsen die Fähigkeiten den Menschen aber schneller als seine Moral. KI besitzt kein Gewissen, keinen Hass und keinen eigenen Willen zum Bösen. Sie vervielfacht jedoch die Möglichkeiten dessen, der sie benutzt. Jesus sagt: „Denn von innen aus dem Herzen der Menschen gehen hervor die schlechten Gedanken“ (Markus 7,21). Deshalb genügt es nicht, einer Maschine Regeln einzuprogrammieren. Es braucht verantwortliche Unternehmen, klare staatliche Grenzen und Menschen, die für ihr Handeln einstehen. Zugleich wäre es gefährlich, aus Angst auf die Entwicklung leistungsfähiger KI zu verzichten und das Feld denen zu überlassen, die Freiheit, Menschenwürde und moralische Werte gering achten.
Das größte Problem der Menschheit ist nicht die künstliche Intelligenz, sondern natürliche Dummheit - auch in moralischer Hinsicht. Kein technischer Fortschritt kann das menschliche Herz erneuern. Regulierung kann das Böse begrenzen, aber nicht beseitigen. Doch Gott verspricht etwas, das kein Computer leisten kann: „Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben“ (Hesekiel 36,26). Dieses neue Leben schenkt er durch Jesus Christus, der die Schuld des Menschen am Kreuz getragen hat. Wer ihm vertraut, erhält nicht grenzenloses Wissen, aber Vergebung, eine neue Ausrichtung und Verantwortung vor Gott. Die entscheidende Zukunftsfrage lautet daher nicht, wie intelligent unsere Maschinen werden. Sie lautet, ob der Mensch zur Umkehr bereit ist.
