Eine Waffenkontrolle ist in Berngau in der Oberpfalz zur tödlichen Tragödie geworden. Nach bisherigen Erkenntnissen soll ein 60-Jähriger am Donnerstagnachmittag, dem 8. Oktober, eine 54-jährige Mitarbeiterin und einen 45-jährigen Mitarbeiter des Landratsamts Neumarkt erschossen haben. Anschließend verschanzte er sich in einem Wohnhaus. Spezialkräfte nahmen ihn in der Nacht zum Freitag fest; dabei wurde er durch Schüsse leicht verletzt. Die beiden Behördenmitarbeiter sollten unter anderem prüfen, ob seine Waffen ordnungsgemäß aufbewahrt wurden. Solche Kontrollen gehören zu den Aufgaben der Waffenbehörden: Wer erlaubnispflichtige Schusswaffen besitzt, muss deren sichere Aufbewahrung nachweisen und den Behörden Zugang zu den Aufbewahrungsräumen ermöglichen. Dabei geht es insbesondere darum, Diebstahl und den Zugriff Unbefugter zu verhindern.
Hinter der nüchternen Bezeichnung „Waffenkontrolle“ stehen nun zwei verlorene Menschenleben und Angehörige, deren Alltag zerstört wurde. Die Bibel verurteilt die vorsätzliche Tötung unschuldiger Menschen unmissverständlich: „Du sollst nicht töten“ (2. Mose 20,13). Doch wie ist Waffenbesitz aus biblischer Sicht zu beurteilen? Die Bibel kennt die Notwendigkeit, das eigene Leben, die Familie und die Freiheit gegen Angreifer zu schützen. Gott ordnet wiederholt bewaffnetes Vorgehen an, etwa zur Befreiung Israels von seinen Unterdrückern durch Gideon (Richter 6,14–16) und David (2. Samuel 5,19). Beim Wiederaufbau Jerusalems ließ Nehemia die bedrohten Menschen bewaffnet Wache führen und forderte sie auf, für ihre Angehörigen und Häuser einzustehen (Nehemia 4,8–12). Gottvertrauen und praktische Schutzmaßnahmen standen dabei nebeneinander. Daraus lässt sich kein Recht auf Waffenbesitz im heutigen Staat ableiten. Wohl aber zeigt die Begebenheit: Freiheit bedeutet auch, Verantwortung für sich und die ihm anvertrauten Menschen übernehmen zu dürfen. Rechtmäßiger, verantwortungsvoller Waffenbesitz darf deshalb nicht pauschal mit verbrecherischem Missbrauch gleichgesetzt werden. Und Verteidigung ist keine Erlaubnis zur Vergeltung oder Selbstjustiz. Das Neue Testament warnt vor persönlicher Rache und weist dem Staat die Aufgabe zu, das Böse - ausdrücklich mit Waffengewalt - einzudämmen (Römer 12,19; 13,4).
Dass Waffen zum Schutz überhaupt nötig sein können, ist eine Folge des Ungehorsams der Menschen gegen Gott, der Sünde. Jesus erklärt, dass Mord und andere böse Taten aus dem Herzen des Menschen hervorgehen (Markus 7,21–23). Würden sich alle Menschen nach dem Vorbild von Jesus verhalten, dann wäre keine einzige Waffe zur Abwehr menschlicher Gewalt notwendig. Niemand müsste einen Überfall, einen Krieg oder die Ermordung seiner Angehörigen fürchten. Die Bibel beschreibt die Aussicht auf eine friedliche Welt in einer ferneren Zukunft mit dem Bild von Schwertern, die zu Pflugscharen werden (Jesaja 2,4). Leider dürfen wir heute nicht in einer solchen Welt leben. Wir können nicht über die Herzen aller anderen Menschen verfügen. Aber jeder Einzelne ist aufgerufen, selbst zu Gott umzukehren, Vergebung anzunehmen und zuerst bei sich selbst das Tor zum Frieden zu öffnen. Die entscheidende Frage beginnt deshalb bei uns selbst: Bin ich bereit, meine Schuld vor Gott einzugestehen und Jesus Christus zu vertrauen? Wer seine Sünden vor Gott bekennt, darf auf dessen Zusage vertrauen, dass er vergibt und reinigt (1. Johannes 1,9).
