Sonntag, 25. März 2018

Zeugnis in der Welt durch Nachfolge

Leiden für Gutestun:
Stephanus
Thema der halbjährlich stattfindenden Bibelkonferenz im Johannesstift in Berlin-Spandau am 24. März 2018 war der Abschnitt von Kapitel 3,15 bis 4,6 des ersten Petrusbriefs. In drei Sitzungen konnten die Teilnehmer die Verse ausführlich betrachten. Die zentrale Frage des Abschnitts ist es, wie Christen durch eine gottgemäße Lebensführung ein Zeugnis für den Herrn Jesus in einer Welt sein können, deren Gericht bevorsteht. Hier stelle ich einige Gedanken der eintägigen Worbetrachtung dar.


Christen sind Ungläubigen Rechenschaft für ihre Lebensführung schuldig (V. 15)

Wenn Christen ihr Leben auf den Herrn Jesus ausrichten, kann dies zu Fragen ungläubiger Menschen führen oder sogar Mißtrauen hervorrufen. Menschen, den Herrn Jesus nicht kennen, mögen sich sogar in ihrer eigenen Lebensführung verurteilt fühlen, etwa dann, wenn ein Christ an weltlichen Aktivitäten nicht mehr teilnimmt. Der Verweis auf den Herrn Jesus als Richtschnur für das Leben kann einen Ungläubigen darauf aufmerksam machen, dass er selbst in dieser Hinsicht ungehorsam ist. Wenn Ungläubige daraufhin Fragen an Christen zu ihrer Lebensführung richten, sollen Christen bereit sein, Rechenschaft abzulegen über die Hoffnung, die in ihnen ist. Damit ist nicht zuerst die Weitergabe des Evangeliums gemeint, das kann sich aber aus solchen Gesprächen ergeben. Die Aufforderung des Apostels Petrus, Rechenschaft abzulegen, erstreckt sich über die persönliche Lebensführung hinaus auch auf die Grundsätze unseres Zusammenkommens mit anderen Gläubigen, also auf den kirchlichen Weg, den man gemeinsam mit anderen Christen geht.

Zur Zeit der Abfassung des Briefes war das offene Bekenntnis zum Herrn Jesus mit besonders großen Gefahren verbunden ("Feuer der Verfolgung", Kap. 4,12). Aber noch heute kann die Rechenschaft über unseren Glauben mit Überwindung und Herzklopfen verbunden sein. Doch der Herr Jesus sagt für alle kritische Gesprächssituationen seine Hilfe zu (Lukas 12,11, Lukas 21,14). Rechenschaft über den christlichen Weg soll immer in demütiger Weise erfolgen und immer mit dem Ziel, dem Herrn Jesus Ehre zu machen. Auch sollten Christen in derartigen Gesprächen nicht mit dem kommenden Gericht drohen. Vorbild ist hier das Verhalten des Herrn Jesus, der von sich selbst sagte, er sei "sanftmütig und von Herzen demütig" (Matthäus 11,29).

Bereitschaft, für das Gute zu leiden - aber niemals für das Böse (V. 16ff)


Voraussetzung für ein gutes Zeugnis für den Herrn Jesus ist, dass Christen ein gutes Gewissen bezüglich ihres eigenen Lebens haben (V. 16). Wenn Sünde im Leben sichtbar wird, kann vom Leben des Christen keine positive Botschaft ausgehen. Das Gewissen des Menschen ist allerdings kein starrer Maßstab, es muss ständig geschult werden. Möglich ist das durch das Studium der Bibel, die Beschäftigung mit der Person des Herrn Jesus und durch die Wirkung des Heiligen Geistes. Ein Leben nach Gottes Plan zeigt sich im täglich Leben in vielerlei Hinsicht, etwa durch die Heiligung des Lebenswandels (1. Thessalonicher 4,3), durch Freude im Herrn Jesus (1. Thessalonicher 3,9) oder dadurch, dass Christen nicht der Welt "gleichförmig" zu sein (Römer 12,2).

Dennoch mögen Menschen von Christen denken, dass sie böse Dinge tun, vielleicht im Verborgenen. Mit Verleumdungen müssen Christen genauso rechnen wie ihr Herr Jesus. Die jüdischen Ankläger des Herrn Jesus sagten von ihm: "wenn dieser nicht eine Übeltäter wäre, würden wir ihn dir nicht überliefert haben" (Johannes 18,30). Allerdings sind Christen dafür verantwortlich, dass an solchen Verleumdungen nichts dran ist, dass nichts Böses in ihrem Leben geschieht. Böses Verhalten könnte in diesem Zusammenhang auch bedeuten, bei Angriffen durch Ungläubige "zurückzuschlagen", aber auch, von der Nachfolge abzuweichen und sich den Werten der Welt anzupassen. Christen sollten ihrem Herrn Jesus in allem nachfolgen, auch in der Verwirklichung von Sanftmut. Wenn sie für den treuen Weg mit Gott, für ihr Bekenntnis zum Herrn, für ihr geistliches Verhalten verachtet werden ist dies allemal besser, als für böse Taten zu leiden. Christus hat als Strafe für das Böse unendliche Leiden auf sich genommen. Er hat "einmal für Sünden gelitten" (V. 18) - und hatte danach nichts mehr mit Sünde zu tun. Um so mehr sollten es Christen vermeiden, für Böses bestraft zu werden.

Ziel des Lebens in Nachfolge: Menschen erretten (V. 19ff)

Noah und seine Familie:
Zeugnis inmitten einer gottlosen Menschheit
Die Empfänger des Petrusbriefes hatten die Erfahrung machen müssen, dass sie nach ihrer Bekehrung zwar nach dem Willen Gottes lebten, die ungläubigen Menschen ihnen aber mit umso mehr Mißtrauen begegneten. Petrus beschreibt dieses Phänomen indem er an die Situation Noahs erinnert (V. 19f). Auch damals richteten sich sehr wenige Menschen, nämlich nur Noah und seine Familie, nach dem Willen Gottes. Die Masse der Menschen hörte nicht auf Gott und wurde dafür von Gott gerichtet (1. Mose 6). Schon zu den ungläubigen Menschen zu Noahs Zeit, die zur Zeit des Petrus längst im "Gefängnis" der Hölle waren und es bis heute sind, predigte der Heilige Geist durch die Person Noahs. Auch später, als die Geister der Menschen, die zur Zeit Noahs 120 Jahre lang die Botschaft gehört und nicht angenommen hatten, längst im "Gefängnis" des Hades waren (V. 19), versuchte Gott durch seine Propheten weiter, Menschen zur Umkehr zu ihm zu bewegen. Allerdings wird im Totenreich selbst weder die Botschaft Gottes verkündet noch gibt es dort noch eine Chance auf Umkehr. Vielmehr ist es dem Menschen "gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht" (Hebräer 9,27 vgl. auch 2. Petrus 2,9). Im Gefängnis des Hades herrscht absoluter Stillstand (vgl. Lukas 16,19), die Toten werden dort aufbewahrt bis zum Gericht (Offenbarung 20).

Noah wurde mit Wasser gerettet vom Gericht, aber das gleiche Wasser vollstreckte auch das Gericht über die Ungläubigen. Auch das "Gegenbild" dieser Situation, die Taufe (V. 21), spricht von der Errettung vom Gericht und gleichzeitig vom Tod der alten Natur des Gläubigen. Allerdings bringt die Taufe selbst nicht die Errettung und das ewige Leben. Erlösung von der Sünde ist allein durch den inneren Glauben an das Sühnungswerk des Herrn Jesus und durch Wiedergeburt zu erlangen. Dennoch bringt auch der äußerliche Akt der Taufe den Gläubigen in den Segensbereich des Herrn Jesus auf der Erde. Die Taufe bringt in diesem Sinne die Rettung von der Macht Satans auf der heutigen Erde mit sich, doch erst der Glauben an den Herrn Jesus das ewige Leben für die Zukunft.

Vorbereitet sein auf den Kampf gegen die Sünde (Kap. 4,1ff)

Um ein Leben nach dem Willen Gottes führen zu können mit dem Ziel, Menschen für Gott zu gewinnen, müssen Christen von der Sünde abstehen. Die alte Natur des Menschen ist den menschlichen Begierden, also der "Willen der Nationen" (V. 3), unterworfen. Eine Auflistung finden wir etwa in 1. Korinther 5. Die neue Natur des Christen, die er mit seiner Wiedergeburt bekommen hat, befähigt ihn grundsätzlich zu einem solchen Leben (Epheser 2). Der Epheserbrief zeigt den Christen, wie er diesen Sünden gestorben ist. Der Römberbrief zeigt hingegen, wie der Mensch zwar noch in Sünden lebt, ihnen aber stirbt. Der erste Petrusbrief zeigt nun, wie der Mensch den Weg der Sünde hinter sich gelassen hat. Das Leben in Sünde nach dem "Willen der Nationen" sollte für den Christen ab seiner Wiedergeburt der Vergangenheit angehören (V. 3). Damit das Abstehen von Sünde auch in der in der Praxis gelingen kann, müssen sich Christen aber "wappnen", also sich aktiv auf schwierige Situationen vorbereiten (Kap. 4,1). Diese Vorbereitung gelingt am besten durch die Beschäftigung mit der Person des Herrn Jesus. So vorbereitet können Christen nach dem Willen Gottes leben anstatt nach den "Begierden der Menschen" (V. 2).

Allerdings können Christen auch "rückfällig" werden und genauso sündigen wie vor ihrer Bekehrung. Petrus zählt Verhaltensweisen auf, die für den Christen höchsten der Zeit vor seiner Bekehrung gefunden werden sollten (V. 3). Dazu gehören "Ausschweifungen", also Übertreibungen, durch die sich ein Christ nicht beweisen sollte. Schon das Alte Testament zeigt, dass ein solches Verhalten schlecht ist und schädlich ist (z.B. Prediger 10,16). Petrus warnt insbesondere vor übermäßigem Alkoholkonsum. Alkohol ist allerdings nicht nur im Übermaß gefährlich sondern auch bei mäßigem, aber kontinuierlichem Genuß. Gefährlich ist auch, wenn unter Christen der Genuß von Alkohol in Gemeinschaft die Regel ist und bei Enthaltung eine Erklärung eingefordert wird. Jeder Schluck Alkohol setzt unsere Fähigkeit herab, zwischen Heiligem und Unheiligem unterscheiden zu können. Als Priester, zu denen der Herr Jesus alle Christen durch sein Erlösungswerk gemacht hat (1. Petrus 2,5, Offenbarung 1,6), brauchen wir aber täglich diese Entschiedungsfähigkeit. Zu dem "Willen der Nationen" zählt Petrus auch den Götzendienst. Dieser ist auch in der heutigen Zeit eine ernste Gefahr, denn Gottes Wort bezeichnet auch etwa Habsucht, Leidenschaft (Kolosser 3,5) und Eigenwillen (1. Samuel 15,23) als Götzendienst.

Lästerungen ertragen - der Herr Jesus wird gerecht richten (V. 4f)

Ungläubige Menschen kann es "befremden", wenn Christen ab ihrer Bekehrung das Treiben der Welt nicht mehr mitmachen (V. 4). Dann gilt es für Christen, sich in ihrem sozialen Umfeld auch dann zu ihrem Verhalten zu bekennen, wenn dies zu Spott und Lästerung führt, beispielsweise, warum man kein Fernsehen schaut. Es ist zu hoffen, dass unter Christen ein Nicht-Mitlaufen kein "Befremden" auslöst. Besonders, weil Christen wissen sollten, dass der Herr Jesus darüber richten wird (Johannes 5,22). Menschen, die den "Willen der Nationen" und nicht den Willen Gottes tun, werden dem Herrn Jesus einmal Rechenschaft ablegen müssen (V. 5). Er wird Lebende und Tote richten (2. Timotheus 4,1). Gott hat den Menschen zu allen Zeiten das Gericht über die Sünde angekündigt (V. 6). Doch ebenso hat er zu jeder Zeit die Möglichkeit zur Rettung von der Strafe aufgezeigt. Die Botschaft des Gerichts geht immer einher mit dem Angebot der Rettung - auch heute noch.