Montag, 7. März 2022

Internationaler Frauentag: (k)ein Grund zum Feiern?


Heute habe ich frei. Und dabei steht gar kein christliches Fest an. Wir sind in Berlin, und da fallen die Feste manchmal anders. Heute, am 8. März, feiert Berlin den "Internationalen Frauentag", auch Weltfrauentag oder Frauenkampftag genannt. Dieser "Welttag" entstand vor dem Ersten Weltkrieg auf Initiative sozialistischer Organisationen. Der Tag ist Teil des internationalen Kampfes um Gleichberechtigung, Frauenwahlrecht und für die Emanzipation von Arbeiterinnen. Erstmals gefeiert wurde er im Jahr 1911, damals noch am 19. März. Erst 1921 wurde der 8. März als Datum festgelegt, und zwar von der Zweiten Internationale Konferenz kommunistischer Frauen, die nirgendwo anders als in Moskau stattfand. Doch haben wir am 8. März tatsächlich Grund zum Feiern? Sicherlich, ich habe frei. Das ist schön. Doch auch als Christ schaue ich einem geschenkten Gaul gerne mal prüfend ins Maul.

Die unheiligen Seiten der Emanzipation

Die sozialistische Fraunbewegung hat ihre Ziele sicher nicht auf der Grundlage der Heiligen Schrift entwickelt. Das Bild von der Rolle der Frau in Gesellschaft und Staat, wie wir es in der Bibel finden, sieht anders aus. Das Wort Gottes berichtet von der Erschaffung von Eva aus einer Rippe Adams, sie sollte ihm eine Hilfe sein (1. Mose 2,22, 1. Mose 2,18). Recht durchgängig zeigt die Bibel eine Schöpfungsordnung, in der die Rollenverteilung in Familie und Gesellschaft deutlich von den sozialistischen und feminististischen Idealen abweicht. Auch später, im Neuen Testament gibt es in Bezug auf diese Schöpfungsordnung keinen Bruch. So lehrt Paulus unmissverständlich: "Ich will aber, dass ihr wisst, dass der Christus das Haupt eines jeden Mannes ist, das Haupt der Frau aber der Mann, das Haupt des Christus aber Gott." (1. Korinther 11,3). Und Sara, die Frau Abrahams wird im Neuen Testament ausdrücklich dafür gelobt, dass ihren Mann "Herr" nannte (1. Petr. 3,6). 

Als gläubiger Christ glaube ich ganz naiv daran, dass die Bibel Gottes Wort ist. Ich glaube auch, dass Gott es gut meint mit dem, was er uns in der Bibel zu Lebensfragen zeigt. Er meint es gut mit allen Menschen, nicht nicht nur mit den (scheinbar) so bevorrechtigten Männern. Ein Leben nach Gottes Plan ist kein Weg, der ins Unglück führt. Der Beweis dafür wurde millionenfach erbracht. Vielmehr kann ich der feministischen Entwicklung auch Schlechtes abgewinnen. Ich beobachte beispielsweise eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft entlang der Geschlechterrollen. Frauenquoten und Genersprache bieten Anlass zu nicht enden wollenden Streitereien in Politik, Gesellschaft, Familien, Wirtschaft und auch in Kirchengemeinden. Für emanzipierte, auch beruflich erfolgreiche Frauen ist die doppelte Anforderung häufig eine kaum zu ertragende Bürde. Und mit unserer Geburtenrate von rund 1,5 Kindern pro Frau bleiben wir weit hinter dem irdischen Schöpfungsauftrag Gottes ("seid fruchtbahr und vermehrt euch und füllt die Erde" (1. Mose 1,28)) zurück.

Freiheit: Die gute Seite der Emanzipation

Allerdings stecken in den Ideen der Frauenbewegung sicherlich auch Ideale, die man im Licht der Bibel begrüßen kann. Denn die biblische Schöpfungsordnung weist Frauen keineswegs die Rolle von Staatsbürgern zweiter Klasse zu. Diskriminierungen von Frauen waren früher oft gesetzlich festgeschrieben. Der Staat machte sich lange zum Erfüllungsgehilfen von Rollenbildern, die allenfalls einen christlichen Anstrich hatten. Sicher, es ist wertvoll, wenn ein Mensch seine Stellung in Staat, Gesellschaft, Familie oder in der Wirtschaft einnimmt. Wertvoll wird ein solches Leben nach Gottes Plan aber durch Glauben, nicht durch staatliche Maßregelung. Wenn Sara ihren Mann "Herr" nannte, tat sie das erstens aus Glauben und zweitens gehörte dazu auch ein gottesfürchtiger Abraham, der seine Rolle als Ehemann nach Gottes Gedanken ausfüllte. Beiden war die Anerkennung durch Gott sicher. Dazu brauchten die beiden aber kein Gesetzbuch und keinen Vollstreckungsbeamten. Sie hatten keinen § 1356 BGB  nötig, der ihr vorgeschrieben hätte, vor der Annahme eines Jobs die Genehmigung ihres Mannes einfordern zu müssen, wie es die Deutschen bis 1977 scheinbar nötig hatten. Es ist gut, dass die Frauenbewegung staatliche Diskriminierungen wie diese beseitigt hat. Und natürlich ist es auch gut, dass Frauen heute studieren, Autofahren und Golf spielen können. Versuche, diese Freiheiten politisch zurückzudrehen, sind hingegen nicht gut. Meistens entspringen sie nicht dem ehrlichen Wunsch, ein Leben nach Gottes Plan möglich zu machen. Diesen Wunsch hatten weder die Nazis 1933, als sie den Weltfrauentag verboten, noch Vladimir Putin mit seiner Familienpolitik der letzten Jahre. Glauben beweist sich in der Freiheit, nicht durch Vorschriften.

Vom Dürfen über das Könenn zum Sollen und Wollen

Nach der erfolgreichen Abschaffung von Diskriminierungen liegt die größte Aufgabe nun darin, wie die gewonnenen Freiheiten zum Nutzen der Menschen gebraucht werden können. Das ist zunächst keine politische Aufgabe. Es geht darum, die Früchte des politischen Fortschritts zu ernten. Die politische Arbeit ist, wenn es um die Rechte der Frau geht, hierzulande weitgehend abgeschlossen. Die entscheidende Frage lautet heute: Wie können Frauen ihre Freiheit so nutzen, dass sie glücklich werden können? Wie können Frauen ein Leben führen, das ihrem eigenen Wesen und auch dem Plan Gottes gerecht wird? Es geht um einen gesellschaftlichen Lernprozess, an dessen Anfang wir stehen. Es lohnt sich nicht, darüber zu streiten, was Frauen in Staat und Gesellschaft dürfen oder was sie können. Über das Dürfen wurde seit 1911 genug gestritten. Im politischen Prozess wurden seit dem annähernd alle Diskriminierungen abgeschafft. Rechtlicht sind wir damit bestens durchemanzipiert. Auch der Streit darüber, was Frauen können oder angeblich nicht können, dürfte so ziemlich ausgekämpft sein. Die Beweise dafür, was Frauen können wurden ausgiebig erbracht. Frauen können Bundeskanzler, sie können Kampfpilot und Sportmoderator. Ab jetzt muss es darum gehen, mehr Klarheit zu bekommen, wie Frauen ihre Leben gestalten sollen, wie sie leben wollen! Ja, Frauen dürfen und können Karriere machen, sie dürfen und können politische Verantwortung übernehmen. Jetzt kann - in aller Ruhe und Freiheit - darüber nachgedacht werden, was Frauen wollen und sollen, wo Glück und Erfüllung zu finden sind. Gläubige Frauen werden ihre Antworten auf diese Frage nicht ohne die Bibel, aber in aller Freiheit finden.

Diskrimierung von Christen verhindern

Eine politische Aufgabe bleibt aber bestehen. Für die Christen. Es geht um die Verwirklichung des einzigen politischen Auftrags, den uns die Bibel im Neuen Testamen mit auf dem Weg gibt: 

"Ich ermahne nun vor allen Dingen,
dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden
für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind,
damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen
in aller Gottseligkeit und würdigem Ernst."
(1. Timotheus 2,1f). 

Christen haben nicht den Auftrag, einen Staat zu errichten, der Menschen ein Leben nach biblischen Rollenbildern verordnet. Wir sollen für die Freiheit beten, ja flehen, dass wir selbst ein frommes Leben führen können, ein Leben, das unserem Herrn in der Welt Ehre macht. Christen müssen sich vom Staat also lediglich die Freiheit wünschen, Salz und Licht für die Welt sein zu können. Das ist, gemessen am Übermaß unserer Freiheit in den letzten Jahrzehnten, nicht viel. In unserer zunehmend militant "woken" Zeit ist es aber auch nicht wenig! Vielen Menschen ist der christliche Lebensweg ein Dorn im Auge. 

Die Menschen in unserer freiheitlichen Demokratie haben alle Möglichkeiten, nicht nach Gottes Plan zu leben. Wir müssen aber dafür beten, dass diejenigen nicht diskriminiert werden, die entschieden nach Gottes Plan leben wollen. Seien es Männer oder Frauen. Die politischen Ansätze Putins, neurechter Partien oder der Nazis sind hingegen im besten Fall Lockangebote von Verführern. Sie richten sich oft an ungläubige oder nicht glaubensfeste Menschen, die sich klare Rollenbilder wünschen. Diese Rollenbilder können aber ihren Wert letztlich nur in Abhängigkeit von Gott funktionieren und ihren Wert entfalten. Wir sollten neurechten Verführungen nicht auf den Leim gehen. Und am Weltfrauentag dürfen wir Christen uns mit gutem Gewissen freuen für Frauen, die in unserem Land die Freiheit haben, ein ruhiges und stilles Leben führen zu können in Gottseligkeit und würdigem Ernst. Gerade in unserem emanzipierten Land ist ihr Glaubenszeugnis vielleicht größer als jemals zuvor!