Sonntag, 18. Oktober 2026

Frankreichs Unruhen: Wenn Sicherheit und Ordnung ins Wanken geraten


Brennende Gebäude, geplünderte Geschäfte und Angriffe auf Polizisten: In Frankreich sind die Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten am Samstag, dem 17. Oktober, vielerorts in Gewalt umgeschlagen. Nach Regierungsangaben demonstrierten rund 550.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 800.000. Die Proteste richten sich gegen teure Lebensmittel, Energie und Kraftstoffe sowie gegen Missstände an Schulen und Universitäten. Gewalttätige Gruppen griffen öffentliche Gebäude an und plünderten Geschäfte. Viele Stimmen sprechen auch von Problemen bei Integration, Migration und von ethnischen Auseinandersetzungen. In Limoges wurde das historische Rathaus durch Feuer weitgehend zerstört. Am späten Abend meldete Premierminister Sébastien Lecornu rund 1.200 Festnahmen und 150 verletzte Polizisten. Er machte ultralinke Gruppen und Kriminelle für die Ausschreitungen verantwortlich und warnte davor, Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele vor der Präsidentschaftswahl 2027 einzusetzen. Linke Politiker wie Jean-Luc Mélenchon unterstützen die Protestbewegung. Der finanzielle Handlungsspielraum der Regierung ist zugleich stark eingeschränkt: Frankreichs Staatsschulden erreichten Ende Juni rund 3,6 Billionen Euro beziehungsweise 119 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die Möglichkeit des Staates, Protestursachen wie Lebenshaltungskosten, Integration oder die Ausstattung der Schulen zu bewältigen, sind daher äußerst eingeschränkt.  

Die Bibel nimmt wirtschaftliche Not ernst: Sie verurteilt die Unterdrückung Bedürftiger und das Vorenthalten gerechten Lohnes (Sprüche 14,31; Jakobus 5,4). Regierende sollen für die Rechte der Schwachen eintreten (Sprüche 31,8–9). Zugleich warnt sie vor Entscheidungen unter dem Druck einer Menge: „Du sollst der Menge nicht folgen zum Bösen“ heißt es im Zusammenhang mit gerechtem Handeln und Urteilen (2. Mose 23,2). Auch eine lautstarke Mehrheit macht falsche Entscheidungen nicht richtig. Regierende brauchen deshalb den Mut, verantwortungslos überzogene Forderungen zurückzuweisen. Allerdings ist der Staat zu lange über die Warnung hinweggegangen, dass der Schuldner vom Gläubiger abhängig werden und hat die finanzielle Vorsicht (Sprüche 22,7) vernachlässigt. Für Zerstörung und Plünderung findet die Bevölkerung in der Bibel dennoch keinerlei Rechtfertigung. „Du sollst nicht stehlen“ gilt selbst in der Not und Zorn schafft keine Gerechtigkeit (2. Mose 20,15; Jakobus 1,20). Der Staat hat den ausdrücklichen Auftrag, auch mit Waffengewalt für Ordnung zu sorgen, das Böse zu bestrafen und die friedlichen Bürger zu schützen (Römer 13,3–4). Gleichzeitig weist die Bibel Träger staatlicher Gewalt auf Recht und Gerechtigkeit hin. Dabei bleibt auch staatliche Gewalt an Recht und Gerechtigkeit gebunden. Gott fordert die Fürsten Israels ausdrücklich auf: „Tut Gewalt und Bedrückung weg, und übt Recht und Gerechtigkeit“ (Hesekiel 45,9). Sicherheitskräfte dürfen Ordnung deshalb nicht durch Willkür und Misshandlung durchsetzen. Johannes der Täufer mahnt Soldaten ausdrücklich: „Tut niemand Gewalt, und klagt niemand fälschlich an, und begnügt euch mit eurem Sold“ (Lukas 3,14).

Die Bilder aus Frankreich wecken eine bedrängende Sorge: Bleiben unsere Straßen sicher? Sind Familie, Wohnung und Lebensgrundlage geschützt, wenn öffentliche Ordnung zerbricht? Biblische Maßstäbe haben dafür sehr praktische Bedeutung. Hätten Regierungen langfristig stärker auf finanzielle Verantwortung geachtet und weniger Geld für Konsum verausgabt, könnte sie heute mehr in die Beseitigung der Missstände investieren. Würden Menschen ihren Zorn beherrschen, fremdes Eigentum achten und Konflikte friedlich lösen, bliebe viel Leid aus. Doch die Bibel verspricht keinem Land dauerhafte Sicherheit allein durch gutes Verhalten. Sie zeigt außerdem, dass auch wir selbst mit unserem Misstrauen, unseren Ansprüchen und unserem Zorn zur Unordnung dieser Welt beitragen. Deshalb brauchen wir mehr als eine bessere Regierung: Wir brauchen Frieden mit Gott. Jesus Christus hat am Kreuz unsere Schuld getragen und eröffnet jedem, der zu ihm umkehrt und ihm vertraut, diesen Frieden (Römer 5,1). Er verspricht seinen Nachfolgern kein Leben ohne Bedrängnis, aber einen Frieden, den die Welt nicht geben kann (Johannes 14,27). Wer zu ihm gehört, ist auch dann in seiner Hand geborgen, wenn äußere Sicherheiten wegbrechen (Johannes 10,27–29). Diese Gewissheit befreit dazu, besonnen zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und selbst Frieden zu stiften.