Sonntag, 12. November 2017

Der Mensch braucht die Natur - und die Natur den Menschen

»Die Natur braucht den Menschen nicht - aber der Mensch braucht die Natur«
Gottes Schöpfung:
Der Mensch an zentraler Stelle
Dieses Zitat der Leiterin der »Kirchlichen Waldgemeinschaft Westerzgebirge«, Frau Leila Reuter, wurde am 4. November 2017 von der christlichen Nachrichtenagentur idea verbreitet. In der Tat hat Frau Reuter Recht, wenn sie darauf hinweist, dass der Mensch die Natur in vielerlei Hinsicht braucht, etwa als Lieferant von Holz, zum Schutz von Wasser und als Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Vor dem Hintergrund der UN-Klimakonferenz COP 23, die dieser Tage in Bonn stattfindet, stelle ich mir die Frage: Stimmt im Lichte der Bibel auch die Aussage, dass die Natur den Menschen nicht braucht?


Der Mensch: Schlusspunkt der Schöpfung und Abbild Gottes in ihr

Das Wort Gottes berichtet uns, dass Gott die Erde in fünf Tagen schuf. Danach, am sechsten Tag, sagte er: »Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, ihn zu bebauen und ihn zu bewahren.« (1. Mose 2,15). Gott hat die Natur nicht ohne den Menschen gemacht - sondern den Menschen als Schlusspunkt in sie eingesetzt. Und Gott stellte fest, dass diese Schöpfung »sehr gut« war! Bestand hatte die Schöpfung dann am siebten Tag, da war sie - mit dem Menschen - abgeschlossen und Gott konnte ruhen.

Ohne den Menschen hätte in der Schöpfung nicht etwa eine verzichtbare Nebensache gefehlt, sondern das Abbild des Schöpfer in ihr. »Gott schuf den Menschen in seinem Bild« (1. Mose 1,27). Und in diesem Bild, als Mensch, hat Gott selbst später diese Schöpfung betreten, in der Person seines Sohnes Jesus Christus, meines Herrn: »Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns« (Johannes 1,14). Die Schöpfung ohne den Menschen wäre somit ziemlich inhaltsleer. Diese Schöpfungsordnung wurde zu keinem Zeitpunkt aufgehoben, auch nicht durch den Sündenfall des Menschen. Noch immer ist der Mensch der Schlusspunkt der Schöpfung und Abbild Gottes und somit aus ihr nicht wegzudenken.

Verpflichtung für den Menschen: bebauen und bewahren

Dass Umweltressourcen aber vom Menschen beansprucht werden, dass der Mensch die Natur umgestaltet, dass er sie sich nutzbar macht, ist nicht zu vermeiden, wenn der Mensch dem Auftrag Gottes nachkommen soll, fruchtbar zu sein und die Erde zu füllen (1. Mose 1,28). Und die Anzahl der Menschen auf unserem Planeten hat sich im Verlauf der letzten 150 Jahre immerhin etwa versiebenfacht. Diese gewaltigen Menschenmassen können nur ernährt werden, wenn der Mensch sich die Natur »untertan macht«, über sie »herrscht« (V. 28). Der Mensch hat somit eine sehr zentrale Rolle in Gottes Schöpfung. Gott will, dass wir sie nutzen und kultivieren, auch wenn das manchmal unseren romantischen Vorstellungen von unberührter Natur und kleinbäuerlicher Landwirtschaft entgegenstehen mag.

Allerdings muss die Herrschaft so ausgeübt werden, dass die Natur nachhaltig genutzt werden kann. So, dass alle Menschen etwas von ihr haben. Denn Gott hat dem Menschen nicht nur aufgetragen, die Schöpfung zu bebauen, sondern auch, sie zu bewahren (1. Mose 2,15). Deshalb ist ein weiser Umgang mit Ressourcen unter allen Umständen anzustreben. Dazu gehören Fleiß, Intelligenz, die Anwendung rationeller, industrieller Produktionsmethoden, die Gestaltung eines effektiven Ordnungsrahmens für die Volkswirtschaften und eine globale Arbeitsteilung durch Handel zur bestmöglichen und nachhaltigen Nutzung der weltweit ungleich verteilten Ressourcen. Gleichzeitig und damit einhergehend sind Umweltverschmutzung, Raubbau an Ressourcen und ein üppiger Lebensstil im Lichte der Bibel auf das Schärfste zu verurteilen.

Die Schöpfung darf nicht zum Götzen werden

Noch mehr zu verurteilen sind aber Versuche, den Menschen gedanklich aus der Schöpfung heraushalten zu wollen oder gar die Schöpfungsordnung umzukehren. Die Schöpfung ist ohne den Menschen nicht denkbar. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Natur zu einem Götzen wird und der Mensch zum Störfaktor in Gottes Schöpfung. Natur würde dann als utopischer Urzustand gedacht, den es laut der Bibel höchstens fünf Tage lang gab. Damit würde letztlich nicht nur der Mensch, sondern auch der Sohn Gottes marginalisiert, der als Mensch auf die Erde kam und auf den hin alle Dinge geschaffen sind (Kolosser 1,16, Römer 11,36).

Als Christen sollten wir die Umwelt nach Kräften schützen. Doch ein überzogener Ökologismus birgt die Gefahr, dass wir der Schöpfung mehr Ehrerbietung darbringen als dem Schöpfer (Römer 1,25). Wir sollten uns dafür hüten, die Umwelt zu einem Götzen zu machen.