Montag, 24. April 2017

Demut als Kennzeichen des Christen in Beruf und Familie

Der Herr Jesus wird von der Menge verspottet
Thema der halbjährlich stattfindenden Bibelkonferenz im Johannesstift in Berlin-Spandau waren die Verse ab Kapitel 2,18 des ersten Petrusbriefs. In drei Sitzungen konnten die Teilnehmer den Abschnitt ausführlich betrachten und besprechen. Das zentrale Thema des Abschnitts ist Unterordnung und Demut unseres Herrn Jesus Christus und sein Vorbild für unser Berufs- und Familienleben. Hier stelle ich einige Gedanken der eintägigen Worbetrachtung dar. 
Im Gegensatz zu Paulus, der sich stärker auf die christliche Lehre konzentriert, stehen bei Petrus eher die praktischen Fragen des Alltags im Vordergrund. So geht es in dem betrachteten Abschnitt (1. Petrus 2,18 bis 3,4) darum, wie ein Christ in seinem Lebensalltag etwas vom Charakter des Herrn Jesus in der Welt zeigen kann. Möglich ist das etwa durch eine demütige Haltung und Unterordnung, denn diese Haltung war charakteristisch für Jesus. Unterordnung und Demut fallen in der Welt auf, sind dort unpopulär und dennoch nach wie vor geradezu ein heilendes Prinzip für die Menschheit (Darby). Christen haben in ihren verschiedenen sozialen Zusammenhängen die Möglichkeit, diese Prinzipien in die Welt zu tragen. Petrus geht in seinem ersten Brief nacheinander auf verschiedene Lebensbereiche ein: auf unser Verhältnis zum Staat (Kapitel 2,13-17, das war Thema der vergangenen Wortbetrachtung im Oktober 2016), in unserem Berufsleben (Kapitel 2,18-25) und in unserer Familie (Kapitel 3,1-6).

Die Unterordnung des Herrn Jesus unter den Willen seines Gottes und Vaters

Petrus geht in dem Abschnitt ausführlich auf die Demut und Reinheit unseres Herrn Jesus ein, so dass dieser uns als Vorbild für unsere Lebenspraxis deutlich vor Augen steht. Vers 21 unseres Abschnitts zeigt, dass der Herr Jesus die Leiden, die ihm durch die Menschen zugefügt wurden ("Mann der Schmerzen", Jesaja 53,3), ertragen hat, um uns ein Beispiel zu hinterlassen. Dabei empfand er die Schmerzen, die er durch die ungerechte Behandlung erleiden musste, viel tiefer (Psalm 69,21) als wir solche Leiden empfinden würden, da wir dem Bösen gegenüber seelisch abgestumpft sind. Im Gegensatz zu uns war er frei von Sünde. In ihm war "kein Trug", er hat also nicht nur niemals gelogen, er war vielmehr ein offenes Buch, hatte nie die Absicht, jemanden in die Irre zu führen. Wenn er gescholten wurde, zahlte er nicht mit gleicher Münze heim (Vers 23). Bis Vers 23 wird uns gezeigt, wie er, der Sündlose, dafür gelitten hat, Gutes zu tun. Ein Bild für diese Aufopferung Christi durch sein tägliches, heiliges Verhalten war im Alten Testament das Speisopfer (3. Mose 2), das etwas von vollkommener Reinheit ausdrückt. Sein Vorbild, Leiden zu ertragen, ermöglicht uns, seinen Fußstapfen nachzufolgen - auch dann, wenn uns das manchmal schwer fällt, weil seine Fußabdrücke zu groß oder seine Schritte zu weit sind.

Das größte Leid hat unser Herr Jesus aber nicht durch die Menschen erlitten, sondern in seinen letzten drei Stunden am Kreuz ertragen, um Sühnung für unsere Sünden zu tun. Dieses Leiden finden wir in Vers 24. "Auf dem Holz" hat der Herr Jesus die Sünden der Geretteten getragen (Hebräer 9,28). Anders als der von Paulus verwendete Begriff "Kreuz" weist uns das hier verwendete Wort "Holz" auf ein alttestamentliches Bild (5. Mose 21,23) und den damit verbundenen demütigenden Charakter dieser Hinrichtung hin. Die Tiefe dieses sühnenden Leidens geht über unser Vorstellungsvermögen hinaus. Auch, wenn diese Bereitschaft zu sühnendem Leiden unsere Anbetung hervorruft - in diesem Leiden kann er uns kein Vorbild, kein Beispiel sein.

Rückkehr zum Hirten und Aufseher

Der natürliche, nicht errettete Mensch irrt wie ein verlorenes Schaf in der Welt umher (Psalm 119,176). Doch durch den Herrn Jesus (1. Petrus 1,21) können Menschen zum Glauben kommen. Sie kommen nicht zu einer Religion oder zu einer Gruppe, sondern zur Person Jesus Christus, dem "Hirten und Aufseher" der Seelen (Vers 25). Als Hirte kümmert er sich um unsere inneren, seelischen Bedürfnisse, führt uns zu guter Nahrung für unsere Seelen. Als Aufseher bewahrt er uns vor Gefahren, etwa durch Irrlehrer und falsche Brüder, vor "Wölfen", die uns bedrohen. Entsprechend sind auch die Hirten- und Aufseherdienste in der Gemeinde zu verstehen und auszuüben.

Berufsleben

In Vers 18 fordert Petrus Christen dazu auf, sich in ihren wirtschaftlichen Abhängigkeitsverhältnissen ("Hausknechte", Petrus verwendet hier nicht das griechische Wort für "Sklaven") ihren weltlichen Vorgesetzten ("Herren") unterzuordnen - und zwar unabhängig von dessen moralischem Verhalten. Bösartigem Verhalten von Arbeitskollegen soll mit Güte begegnet werden, aufkommende Rachegedanken sind zu bekämpfen. Auch dann, wenn wir "verkehrte" Vorgesetzte haben, dürfen wir wissen, dass wir einen Hirten und Aufseher haben (Vers 25) der über allem steht. Auch bei ungerechter Behandlung sollen wir - wie unser Herr Jesus - dazu fähig sein, die Angelegenheit Gott zu übergeben, der "gerecht richtet" (Vers 23). Ob Gott dieses gerechte Gericht an der Ungerechtigkeit schon auf der Erde oder erst später im Himmel richten wird, ist dabei allein seine Angelegenheit. Unterordnung kann schon im Elternhaus trainiert werden. So fordert Paulus die Kinder auf, ihren Eltern in allem gehorsam zu sein (Kolosser 3,20).

Die Grenze des Gehorsams liegt allerdings dort, wo der geoffenbarte Wille Gottes missachtet werden soll (Apostelgeschichte 5,29). Ungehorsam aus Gewissensgründen kann für Arbeitnehmer mit Nachteilen verbunden sein, aber in Vers 19 weist uns Petrus darauf hin, dass dieses Leiden - im Gegensatz zum Leiden für begangene Sünden - Gott wohlgefällig ist. Darin, solche "Leiden um des Gewissens willen" durchzustehen ("ausharren"), liegt der Ruhm (Vers 20) und die Berufung des Christen (Vers 21). Nicht mit gleicher Münze heimzuzahlen, nicht "wiederzuschelten" (Vers 23), kann im Berufsleben eine große Herausforderung für uns sein.

Familienleben und Stellung der Frau

Auch im dritten Kapitel bleibt Petrus bei der Frage, wie Christen durch eine demütige Haltung den Charakter des Herrn Jesus in der Welt darstellen können. Nach der Haltung des Christen zur Obrigkeit und zu ihren Vorgesetzten geht es nun um die Ordnung in der Familie. Dabei richtet er sich zunächst an die Frauen, die sich ihren Männern unterordnen sollen. 

Allerdings ist die Schöpfungsordnung Gottes und die gottgemäße Ordnung der Familie nicht das eigentliche Thema dieses Abschnitts. An verschiedenen Stellen der Bibel wird dieses Thema grundsätzlicher behandelt (z.B. 1. Mose 2,22ff; Epheser 5,22ff; Kolosser 3,18; 1. Korinther 11,3; 1. Timotheus 2,13). Die Bibel zeigt, dass in der biblischen Schöpfungsordnung Christus über dem Mann steht und der Mann über seiner Frau, wobei das nicht bedeutet, dass die Frau weniger wert wäre als der Mann. Petrus will hier nicht diese Schöpfungsordnung skizzieren, sondern aufzeigen, dass eine Frau durch die demütige Verwirklichung dieser Ordnung wortlos Charaktereigenschaften ihres Herrn Jesus in der Welt darstellen kann. Dabei hat Petrus die Ehemänner dieser Frauen im Blick, und zwar besonders solche, die dem Willen Gottes nicht gehorchen. Zweifellos haben sich in der Anfangstagen der Gemeinde viele Menschen und auch Frauen bekehrt, die schon verheiratet waren, ohne dass die Ehepartner diesen Weg mitgingen. Noch heute können bekehrte Frauen ihren Männer Charaktereigenschaften ihres Herrn zeigen, so dass diese möglicherweise "ohne Worte" für Jesus gewonnen werden mögen (Vers 1). Allgemein gilt ja, dass nicht unsere Worte, sondern unser Verhalten die wirkliche Verkündigung des Evangeliums in der Welt ist. Dennoch gilt aber, dass Kinder Gottes nur gläubige Partner heiraten sollen, denn Christus hat keine Gemeinschaft mit Belial und ein Gläubiger kein Teil mit dem Ungläubigen (2. Korinther 6,15).

In den folgenden Versen präzisiert Petrus, wie ein solches Verhalten der Frauen aussehen kann. So sollen sie nicht durch äußerlichen, sondern durch den inneren Schmuck hervorstechen (Vers 3). Wie auch die Männer sollen die Frauen nicht eitel oder überheblich sein (vgl. Jesaja 3,16f). Anstatt dessen soll der Schmuck des sanften und stillen Geistes angelegt werden, der vor Gott kostbar ist (Vers 4).

Fazit

Leider ist es an dieser Stelle nicht möglich, alle Argumente, Bibelstellen, Hinweise und die vielen und berichteten Geschichten aus dem Leben der Teilnehmer, die im Rahmen der Wortbetrachtung vorgetragen wurden, wiederzugeben. Die Beschäftigung mit der Unterordnung und Demut unseres Herrn Jesus Christus und die Lehren, die wir daraus für unser tägliches Leben ziehen konnten, waren von großem Gewinn für alle Teilnehmer. Ich freue mich sehr auf die nächste Wortbetrachtung im Herbst in Berlin-Spandau. Der Herr wird uns in 1. Petrus 3 weiter damit beschäftigen, wie wir etwas von ihm in der Welt zeigen können.