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| Die Israeliten feiern das Passahfest |
Passah: Errettung für Israel
Schon in seiner Einführung erinnert Manuel Seibel daran, dass Erfahrungen des Volkes Israel im Alten Testament geistliche Bilder für Christen enthalten (1. Korinther 10,11). Das Alte Testament ist das Bilderbuch für das Neue Testament. Das Passahfest bildet ab, wie Gott sein Volk aus der Hand Ägyptens befreit hat. Die Israeliten befanden sich unter der Knechtschaft der Ägypter in einer scheinbar aussichtslosen Situation. Doch Gottes Wunsch war es, dass sein Volk frei im verheißene Land Kanaan leben sollte. Da schenkte er seinem Volk die Möglichkeit zur Rettung. Jede Familie sollte in Lamm opfern, eine Lamm ohne Fehl und Tadel (2. Mose 12). Mit diesem Lamm sollten sie einige Tage in ihren Häusern verbringen, während draußen Finsternis war. Das Blut dieses Lammes, an die Türpfosten gestrichen, würde sie dann schützen vor dem Zorn Gottes.
Christus, das wahre Passahlamm
Diese mächtige Bild des Passahopfers spricht prophetisch vom viel später erfolgten Opfer unseres Herrn Jesus am Kreuz von Golgatha (1. Korinther 5,7, Johannes 1,29). Das Blut des Passahlammes war ein Bild für das Blut Christi, das Rettung vor der Strafe Gottes brachte (1. Petrus 1,18). Die Rettung hing dabei nicht davon ab, ob die Israeliten das Blut betrachten. Es reichte vollkommen, dass der Racheengel es sehen und vorübergehen würde. Wie die Israeliten in diesem Bild auf die Zusage Gottes vertrauen durften, können auch wir heute auf die Heilszusage Christi vertrauen (1. Johannes 5,12f). Viele weitere der Anordnungen Gottes zum Passahfestes beschreiben Wesenszüge des wahren Passahlammes, unseres Herrn Jesus. So weist die von Gott geforderte Fehlerlosigkeit des zu opfernden Lammes (V. 5) auf den reinen und heiligen Charakter des Sohnes Gottes hin. Wehrlos wie ein Lamm gab sich Christus hin (Jesaja 53,7). So wie wie das Blut des Lammes an den Türpfosten der Israeliten vor dem Tod rettete (V. 7), so rettet das einmalig vergossenes Blut des Christus vor dem ewigen Tod (Hebräer 9,12).
Gottes Rettungsplan für die Menschen
Im nächsten großen Abschnitt des Buches leuchtet Manuel Seibel die Bilderwelt der Rettung Israels aus der Hand der Ägypter noch stärker im Hinblick auf das Erlösungswerk Jesu aus. Er zeigt, dass das gerechte Gericht Gottes nur die Ägypter traf während stellvertretend für die Israeliten das Passahlamm getroffen wurde. So ist auch Christus stellvertretend als Sühnungsmittel am Kreuz geopfert worden (Römer 3,24f), damit wir im Gericht Gottes straffrei ausgehen können. Zweitens sehen wir, dass auch nach dem Passahopfer das Volk noch nicht von der Macht der Ägypter erlöst war. Erst, als der Pharao mit seinen Soldaten im Roten Meer ertrunken war (2. Mose 15,1), war Israel wirklich frei. So sind auch wir nach unserer Befreiung vom Gericht noch nicht vollständig erlöst - wir brauchen dann noch das Vertrauen auf Gott in unserem täglichen Leben, die Befreiung von Satan, der durch die Welt und durch unser Fleisch auf uns einwirkt. Nach unserer Errettung vom Gericht durch das Blut Jesu (Römer 3) brauchen wir noch das Vertrauen auf Gott (Römer 4), das uns schließlich den inneren Frieden schenkt. Zu unserer Erlösung gehört also nicht nur, dass Christus für uns gestorben ist, sondern auch, dass wir für Christus sterben! Drittens sehen wir in den Bildern von 2. Mose 12, dass erst durch diese zwei Seiten des vollständigen Erlösungswerks Freude bei den Israeliten einsetzen konnte. Nach der Bewahrung vor Gottes Gericht und nach dem Tod der Feinde konnten sie sich von Herzen freuen und ein unvergleichliches Triumphlied singen (2. Mose 15). Auch heute wird ein Gläubiger, wenn er sich seiner Erlösung und seiner Stellung vor Gott bewusst wird (z.B. Römer 8,1f), in Jubel ausbrechen. Wie uns die Reihenfolge der Ereignisse beim Auszug der Juden zeigt kann es nach der Errettung aber noch dauern, bis dieser innere Zustand erreicht ist.
Passah und Gedächtnismahl
Gott hat das Passahfest gestiftet, um sein irdisches Volk Israel an die Befreiung aus der weltlichen Macht der Ägypter zu erlösen. Unser Herr Jesus hat das Gedächtnismahl gestiftet, um sein himmlisches Volk an sein Erlösungswerk von der Macht Satans zu erinnern. Durch die Einsetzung des Gedächtnismahls am Tag des Passahfestes bekräftigte der Herr Jesus den Zusammenhang der beiden Rituale. Manuel Seibel geht gleichermaßen auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Feiern ein.
Eine erste wichtige Gemeinsamkeit ist, dass sowohl das Passahfest als auch das Gedächtnismahl ausdrücklich nach Gottes Regeln stattfinden sollen sollen (2. Mose 12,11, 1. Korinther 11,20). Wir Menschen sind nicht vollkommen frei, wie wir das Gedächtnismahl begehen wollen, denn es ist nicht unser, sondern sein Mahl. Die Anweisungen unseres Herrn Jesus zu seinem Mahl sollten wir deshalb sehr genau beachten (würdig essen, Selbstprüfung des Gewissens, persönliche Reinheit, keine Verbindung mit Bösem etc., vgl. 1. Korinther 10, 1. Korinther 11). Besonders wichtig ist dabei das Fernhalten von Sünde, für das sowohl im Alten als auch im Neuen Testament der Sauerteig steht (2. Mose 12,8, 1. Korinther 11,27, 1. Korinther 5,6). In der ausdrücklichen Anweisung Gottes, das Lamm am Feuer zu braten (2. Mose 12,9) finden wir die vollkommen Hingabe des Herrn Jesus, an die uns auch das Gedächtnismahl erinnert (Epheser 5,2). Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass die jeweils ersten Feste, das erste Passah und das erste Gedächtnismahl, direkt mit der Erlösungstat in Verbindung stehen, während alle weiteren an diese eigentliche Erlösung erinnern. Sowohl Passah als auch Gedächtnismahl sind an einen Ort gebunden. Das Passah sollte nur in Jerusalem gefeiert werden, das sich der Herr dafür erwählt hatte (5. Mose 16,2), in dem auch sein Haus, der Tempel, stand. Auch das Gedächtnismahl kann nur an einem Ort, am Tisch des Herrn stattfinden (1. Korinther 10,21). Dieser Ort ist ein geistlicher Ort und nicht räumlich einzugrenzen, aber er ist nur dort zu finden, wo Kinder Gottes zum Namen ihres Herrn Jesus hin (Matthäus 18,20) und als Versammlung zusammenkommen (1. Korinther 11,18). Gemeinsam ist beiden Feiern, dass sie auf den Tod Christi hinweisen. Das Passahfest prophetisch, das Gedächtnismahl erinnernd (Lukas 22,19).
Der Autor zeigt auch wichtige Unterschiede zwischen dem Passahfest und dem Gedächtnismahl auf. Während das Passahfest sich etwa an alle Israeliten, auch die Kinder, richtet, zeigt das Neue Testament, dass das Gedächtnismahl nur für Gläubige gedacht ist (z.B. 1. Korinther 11,32). Unbekehrte können gar nicht von "ihrem Herrn" sprechen und nicht an seinem Tisch Platz nehmen. Den wichtigen Schlussfolgerungen aus der Betrachtung des Passahfestes für unser Zusammenkommen am Tisch des Herrn beim Gedächtnismahl widmet Seibel ein gesondertes Kapitel.
In einem abschließenden Kapitel geht Manuel Seibel dann noch näher auf die acht Passahfeste ein, über die wir in der Bibel lesen. Sieben davon wurden schon gefeiert, eines ist noch zukünftig (Hesekiel 45,21). Alle diese Begebenheiten enthalten, wie Seibel eindrucksvoll aufzeigt, wichtige Botschaften für unser Leben, für unser Zusammenkommen als Versammlung und über die Heilsgeschichte Gottes mit seinem Volk.
Fazit
Manuel Seibel schreibt kein rein theoretisches Werk. Es spricht direkt in unsere Herzen und in unsere Ortsgemeinden hinein. Seibel verfügt über Menschenkenntnis, kennt Probleme der Menschen und weiß genau um die Herausforderungen, vor denen die Versammlungen der Heiligen heute stehen. Doch Veränderungen unserer Praxis sind nicht möglich ohne Lehre. Und wer gute Lehre sucht, ist bei Manuel Seibel ebenfalls bestens beraten. So liefert er weit mehr als eine ausführlicher Auslegung von 2. Mose 12 und der Bibelstellen, die mit dem Passahfest im Zusammenhang stehen. Er zeigt auf, was Gott uns mit den Ereignissen für das Hier und Jetzt sagen will - und das ist eine ganze Menge. Da das behandelte Thema so zentral ist für unseren praktischen Glauben, hätte das Thema an manchen Stellen einer ausführlicheren Behandlung bedurft. Trotz der vielen weiterführenden Fußnoten würde man sich an manchen Stellen Hinweise für weiterführende Betrachtungen wünschen. Grafische Darstellungen und Übersichten könnten helfen, zeitliche Abläufe und Zusammenhänge zwischen Altem und Neuen Testament schneller zu erfassen. Insgesamt ist das Buch aber aber eine große Bereicherung und sehr gute Investition für jeden, der sich für Jesus Christus und für sein Erlösungswerk interessiert.
Seibel, Manuel (2006). Das Passah des Herrn. Eine aktuelle Auslegung, CSV-Verlag, Hückeswagen.
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