Viele Jahre wurde politisch um eine Erweiterung der Ehe gerungen. Die Ehe soll nicht länger Lebensgemeinschaften zwischen Mann und Frau vorbehalten sein. Auch anderen Lebensformen sollen die rechtlichen Privilegien zukommen, die mit der Ehe verbunden sind. Trotz der Öffnung der Ehe in vielen anderen westlichen Ländern scheiterte das Vorhaben in Deutschland bisher am Widerstand der christlichen Parteien CDU und CSU. Bis jetzt. Nachdem der Liberale Christian Lindner die "Ehe für alle" zur Koalitionsbedingung ausrief und Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Einlenken der CDU in dieser Frage in Aussicht stellte, standen die entsprechenden Weichenstellungen im Bundestag fest.
Geistliche Beurteilung: Die Ehe aus biblischer Sicht
Was macht die Ehe aus Sicht eines Christen aus? Welchen Wert hat sie für die, die an die Bibel glauben und Jesus Christus nachfolgen wollen? Die Bibel zeigt uns, dass Gott eine lebenslange Lebensgemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau als den alleinigen Ort für menschlichen Sexualität vorgesehen hat. In der Schöpfungsgeschichte finden wir das "Grundgesetz der Ehe" (1. Mose 1,27 bis 2,25). Dort steht auch der Bibelvers, der als Trauspruch über meiner eigenen Ehe steht: "Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein". Die Ehe ist "ein Fleisch", eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Diese Einheit kann - vor Gott - nicht aufgelöst werden. Unser Herr Jesus und der Apostel Paulus bekräftigen diese Gedanken an vielen Stellen im Neuen Testament (Ausführungen zu Ehe und Familie nach Gottes Plan auf diesem Blog hier). Andere Bibelstellen weisen außerdem darauf hin, dass die Ehe für reife Männer und Frauen gedacht ist, nicht für Mädchen und Jungen. Vater und Mutter werden verlassen. Darin können wir den Gedanken einer Solidargemeinschaft angelegt sehen. Diese geistliche Einrichtung der Ehe gibt es seit Gott den Menschen geschaffen hat. Für Gläubige ist sie unabhängig davon, ob wir uns in Deutschland, auf Robinsons Insel oder in Saudi-Arabien aufhalten.Im Neuen Testament wird darüber hinaus offenbart, welchen spirituellen Sinn die Ehe hat, welche "Funktion" sie für Gott aufweist. Die lebenslange, auf Treue gegründete Verbindung zwischen Mann und Frau ist ein für uns Menschen begreifbares Bild für die ewige Beziehung zwischen unserem Herrn Jesus Christus und seiner Braut, der Kirche (der Gemeinschaft der Gläubigen bzw. Versammlung (Epheser 5,22)). Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die beide Jesus nachfolgen, ist damit ein von Gott vorgesehenes Kommunikationsmittel, um das Evangeliums in der Welt bekannt zu machen. Intakten Ehen im biblischen Sinn sollen in der Welt etwas ausdrücken von der unsichtbaren Liebesbeziehung zwischen Jesus und denen, die zu ihm gehören. Wenn dieses Bild der Ehe Risse und Flecken bekommt, dann leidet darunter der Missionsauftrag der Christen. Ehen, die vom biblischen Ideal abweichen, etwa durch Ehebruch, Ehescheidung oder Lieblosigkeit, machen alle gut gemeinten Worte der Ehepartner über Jesus und Errettung zunichte. Die Institution der Ehe erhält für uns Christen ihren Wert durch die evangelistische Botschaft, die von ihr ausgeht, und weniger durch ihren Wert als Solidargemeinschaft. Die Ehe ist tief in der Schöpfung verwurzelt und kann durch politische Maßnahmen nicht beschädigt werden. Beschädigt werden kann sie nur durch Christen, die ein unwürdiges Eheleben führen.
Das Verhältnis von Christ und Staat
So weit die Bibel. Aber der Wert des Wortes Gottes erschließt sich natürlich nur dem, der an Gott und an die Bibel als sein Wort glaubt. Außerdem ist die Bibel nach meiner Überzeugung zwar durchaus eine Art Handbuch, gewissermaßen ein Handbuch des Urhebers des Lebens für das Leben. Aber sie ist kein Handbuch für politische Fragen. Das Alte Testament regelt zwar einige Fragen für die Organisation seines auserwählten Volkes Israel, das unter David gewissermaßen in einer Theokratie lebte. Aber spätestens seit der Einnahme Israels durch Nebukadnezar musste Israel und allen anderen Völkern klar sein, dass Gott durchaus Herrscher zulässt, die von ihm nichts wissen wollen. Gott nannte selbst den gottlosen Nebukadnezar "seinen Knecht" (z.B. Jeremia 27,6). Und bis heute leben wir nicht in einer Theokratie, sondern in den "Zeiten der Nationen" (Lukas 21,24). Jesus übt zwar von seinem heutigen Wohnort (dem Himmel) aus in gewisser Weise Herrschaft über die aus, die ihn als Herrn anerkennen. Das ist das "Reich der Himmel", das uns Matthäus in seinem Evangelium skizziert (etwa Matthäus 13,51). Dieses Reich der Himmel wird zwar irgendwann zu einem irdischen Reich werden, aber erst dann, wenn der Herr Jesus - der "Sohn Davids" - wieder auf die Erde kommt, um seine Herrschaft anzutreten (2. Thessalonicher 2,1ff). Bis dahin ist die Herrschaft über die Welt Nationalstaaten und ihren weltlichen Funktionsträgern anvertraut. Diesen sollen sich Christen unterordnen. Und zwar unabhängig davon, ob diese Staaten biblischen Grundsätzen genügen oder nicht, da ist die Bibel sehr klar (z.B. Römer 13,1, 1. Petrus 2,13).
Die Bibel zeigt uns nicht, dass wir Christen einen Anspruch auf "christliche Gesetze" hätten. Sie gibt uns außerdem weder Anlass noch Verpflichtung, durch politisches Engagement an der weltlichen Herrschaft mitzuwirken. Die Bibel fordert Christen zwar dazu auf, auf die Politik einzuwirken, als Mittel der Wahl nennt sie aber das Gebet. Wir sollen beten "für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben" (1. Timotheus 2,2). Und sie zeigt klar, für was Christen beten sollen, wenn es um politische Dinge geht. Wir sollen dafür beten, dass wir "in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können." (V. 2). Wir sollen dafür beten, dass wir unser Leben so führen können, wie wir es vor Gott für richtig halten. Das ist die einzige Aufforderung an Christen zu politischer Aktivität im gesamten Neuen Testament! Aber in dieser Aufforderung darf man durchaus ein liberales Grundprogramm erkennen. Denn die Bibel skizziert keine Sozialordnung. Wir finden in ihr keine Hinweise darauf, wie ein Steuersystem, ein Rentensystem, ein Flächennutzungsplan oder die Wehrpflicht ausgestaltet werden sollte. Wenn es um politische Fragen geht, sind Christen daher auf zwei Tugenden angewiesen, die wahrscheinlich in allen Religionen ein große Rolle spielen: Vernunft und Nächstenliebe.
Politische Beurteilung: Die Ehe für alle aus Sicht des Staatsbürgers
Welche Bedeutung haben also die staatlichen Ehegesetze für uns Christen? Wir haben gesehen, dass die Ehe für Gläubige eine sehr große, aber vor allem geistliche Bedeutung hat. An den Staat haben wir hingegen in geistlicher Hinsicht keine Ansprüche zu stellen, außer den, dass er ein christliches Leben zulässt. Das ist hierzulande im Großen und Ganzen der Fall. Die Möglichkeit zur standesamtlichen Eheschließung ist darüber hinaus eine Möglichkeit, der christlichen Ehe einen öffentlichen Charakter zu geben und ihr Wirksamkeit zu verleihen. Außerdem bietet sie christlichen Ehepartner eine Reihe von rechtlichen Privilegien. Die Bibel ermuntert uns aber nicht dazu, solche Privilegien einzufordern oder zu verteidigen. Wir sind Himmelsbürger (Philipper 3,20) und ohne Bürgerrecht auf Erden (1. Petrus 2,11, Hebräer 13,14).
Außerdem zeigt sich auch schon heute in den Ehegesetzen die oben skizzierte strukturelle "Gottesferne" des Staates. Das sieht man schon daran, dass das Standesamt Ehescheidungen zulässt. In geistlicher Hinsicht kann das "eine Fleisch" gar nicht getrennt werden (z.B. 1. Mose 1,27 bis 2,25, Matthäus 5,32). Auch kümmert sich das Standesamt nicht um die Beziehungen der Eheleute zum Herrn Jesus, für gläubige Christen durchaus ein wichtiges Thema (z.B. 2. Korinther 6,14). Die Öffnung der standesamtliche Ehe verändert daher in geistlicher Hinsicht die staatliche Institution der Ehe nicht fundamental. Die Öffnung macht höchstens noch deutlicher, was die staatliche Ehe immer war: Eine weltliche Einrichtung, um das friedliche Zusammenleben von Staatsbürgern (nach deren einen Maßstäben) zu verbessern. Der Staat erhebt nicht den Anspruch darauf, biblische Werte widerzuspiegeln. Auch die C-Parteien bleiben systematisch weit hinter diesem hohen Anspruch zurück. Und Gott gibt uns seinerseits in der Bibel keinen Hinweis darauf, dass wir diesen Anspruch an den Staat stellen sollten.
Fazit
Als Christen sollten wir uns zuallererst darum bemühen, unsere eigenen Ehen nach biblischen Maßstäben auszubauen und zu pflegen, sofern uns unser Herr Ehepartner anvertraut hat. Denn jede intakte und liebevolle Ehe ist ein Zeugnis in der Welt für die Liebe Jesu zu uns und seiner ewigen Beziehung zu seiner Versammlung. Diese hohe und schwere Aufgabe stellt sich unabhängig von den äußeren rechtlichen oder politischen Umständen. Die Öffnung der staatlichen Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften ändert am christlichen Eheverständnis nichts. Eine "Abwertung der Ehe" durch den Staat im Sinne eines Verlusts von Privilegien sollten wir nicht fürchten, die standen uns Christen nie zu. Und grundsätzlich gilt: Je dunkler die Umstände in der Welt werden, desto deutlicher wird das Licht Jesu, das auch durch christliche Ehen in die Welt leuchtet (Matthäus 5,14).
Was die politische Frage angeht, sind, wie schon gesagt, Vernunft und Nächstenliebe gefragt. Und es erscheint mir, als ob der Staat durch die Beschäftigung mit der Frage, wer mit wem Lebenspartnerschaften eingehen sollte, für mehr Unfrieden als für Frieden sorgt. In einer Zeit, in der unsere Gesellschaft immer vielfältiger und der Konsens gemeinsamer Werte immer kleiner wird. Ich glaube zwar daran, dass es gut für die Menschen in Deutschland ist, wenn sich Gesetze an christlichen Ideen orientieren. Doch der Staat kann christliche Überzeugungen nicht erzwingen und kann für mehr Unfrieden als Segen sorgen, wenn er es versucht. Ich meine, der Staat sollte die Kompetenz für Ehefragen am besten abgeben. Behörden müssen kein Urteil darüber treffen, wer mit wem zusammenleben darf oder sollte. Diese Fragen kann der Staat der Zivilgesellschaft überlassen. Erbschaftsrechtliche Ansprüche, Unterhaltsfragen usw. lassen sich sicherlich auch über privatrechtliche Verträge lösen. Es spräche bestimmt auch einiges dafür, steuerliche Privilegien nicht an der Ehe, sondern an der Kinderzahl festzumachen. Vielleicht ist das alles heute schwer vorstellbar, doch vor rund 150 Jahren gab es in Deutschland nicht einmal Standesämter. Für diese politische Anliegen werde ich gerne eintreten, und zwar zuerst mit dem Mittel, das die Bibel vorschlägt, durch das Gebet für die politischen Funktionsträger.
