Dieser Artikel behandelt das politisch motivierte Versammlungsverbot des Jahres 1937.
Zu den Auswirkungen der Corona-Politik auf das Gemeindeleben vgl. meine die Anmerkungen zu
Corona und Gemeindeleben: Eine Zwischenbilanz.
Um zu verstehen, was das Versammlungsverbot 1937 für viele Christen bedeutete, müssen wir einen Blick auf ihr Kirchenverständnis werfen. Erst dann können wir die Ereignisse geistlich einordnen und Lehren für Christen heute ziehen.
1. Christliche Gemeinde nach dem Willen des Herrn Jesus
![]() |
| Kirche im Nationalsozialismus: Überwiegend von Anpassung geprägt |
Keine zivilrechtliche, weltliche Organisation - alleine »außerhalb des Lagers«
Die Bibel zeigt uns, dass Gott zwar bei uns Menschen wohnen will - dass er sich seinen »Wohnort« aber stets selbst aussucht. In der Zeit des Auszugs Israels, des irdischen Volkes Gottes, wählte sich Gott das Zelt der Zusammenkunft, die »Stiftshütte« (Begriff der Luther-Bibel) als Wohnort inmitten seines erretteten und auserwählten Volkes. Später war der Tempel in Jerusalem dieser Wohnort. Hier konnten sündhafte Menschen dem heiligen Gott begegnen, An allen anderen Orten wäre Anbetung Gottes bzw. Priester- und Opferdienst Götzendienst gewesen. Gott wohnte an einem Ort. Mit der Geburt des Herrn Jesus wohnte er dann in der Person seines Sohnes Jesus Christus unter den Menschen - und wiederum nirgendwo sonst. Nach der Himmelfahrt Jesu wurde uns Menschen dann den Heiligen Geist als »Sachwalter« (Johannes 14) auf der Erde geschickt. Seit dem wohnt Gott in all denen, die an den Herrn Jesus glauben sowie in seiner Versammlung, dem »Haus Gottes« auf der Erde (Epheser 2,19ff, 1. Timotheus 3,15). Dort, wo Christen zu Jesu Namen hin zusammenkommen, dort ist er in der Mitte (Matthäus 18,20), alleine dort ist das geistliche Haus Gottes auf der Erde. Doch im Gegensatz zum Tempelbezirk Jerusalems ist dieser Platz - in weltlicher Hinsicht - nicht prunkvoll. Im Gegenteil: Um an diesen Ort zu kommen, müssen Menschen zu dem Jesus von Nazareth gehen, der von der Welt verworfen wurde, der außerhalb des politischen und religiösen Zentrums seiner Zeit gekreuzigt wurde. Wir müssen zu einem Platz gehen »außerhalb des Lagers, seine Schmach tragend.« (Hebräer 13,11). Doch trotz dieser Schmach, mit der dieser Ort aus Sicht einer nach Erfolg strebenden Welt beladen ist, wird jeder Christ gerne an diesen Platz der Absonderung gehen. Hinaus aus den Strukturen weltlicher Kirchenorganisationen, denn nur an diesem Ort ist der Herr Jesus zu finden.
Keine Namen, keine Identität, keine »Schublade« - außer »in Christus«
Schon der Apostel Paulus warnte vor Spaltungen der Gemeinde: »Denn wenn einer sagt: Ich bin des Paulus; der andere aber: Ich des Apollos; seid ihr nicht menschlich?« (1. Korinther 3,4f). Die Kirchengeschichte zeigt, wie richtig Paulus mit siner Warnung lag. Von einer Einheit der Christenheit ist nichts zu sehen. Doch jede »Benennung«, jede weltliche Organisationsstruktur, zieht die alleinige Autorität ihres Herrn Jesus und die Einheit seiner Kirche in Frage. Christlichte Gemeinschaften, die sich alleine bei ihrem Herrn Jesus aufhalten wollen, wollen sich deshalb keinen bestimmten Namen geben lassen - außer dem Namen ihres Herrn Jesus. Die Gründung von Organisationen, die Vereinigung unter einem gemeinsamen »Banner« oder »Label« erleichtert es zwar, sich gemeinsam mit anderen zu behaupten, eine Identität aufzubauen und sich gegen Böses abzugrenzen. Das »sozialtechnologische Instrument« der Institutionalisierung ist erprobt und in der Welt bewährt - aber letztlich bleibt es auch ein Instrument der Welt. Die Bibel zeigt uns hingegen, dass Schutz, Leitung und Organisation der Gemeinde Gottes nicht durch weltliche Strukturen, sondern nur durch das Vertrauen auf Jesus Christus und seinen Sachwalter, den Heiligen Geist, möglich ist. Christen, die auf diese Zusagen ihres Herr vertrauen, wollen sich deshalb alleine nach ihrem Herrn nennen lassen (Apostelgeschichte 11,26). Sie verzichten gerne auf die Zugehörigkeit zu einer »Gruppierung«, wollen in keine »Schublade« gesteckt werden, denn sie wollen alleine von ihrem Herrn abhängig sein und alleine ihm Ehre geben.
Keine Ämter und Strukturen - alleine Leitung des Heiligen Geistes
Der Herr Jesus ist das Haupt der Versammlung, ihm alleine steht die Leitung der Kirche zu (Epheser 1,22). Um seinen Willen auf der Erde auszuführen, befähigt er die Glieder seines Leibes, indem er Fähigkeiten und Gaben zuteilt: »Es sind aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber derselbe Geist; und es sind Verschiedenheiten von Diensten, und derselbe Herr; und es sind Verschiedenheiten von Wirkungen, aber derselbe Gott, der alles in allen wirkt.« (1. Korinther 12,4-6). Der Herr Jesus alleine verteilt Aufgaben und Dienste: »Alles dieses aber wirkt ein und derselbe Geist, jedem insbesondere austeilend, wie er will.« (1. Korinther 12,11). Die Vergabe kirchlicher Ämter und die Etablierung fester Strukturen (»Klerus«, »Liturgie«) können die alleinige Autorität des Herrn Jesus in seiner Versammlung beschädigen. Der Verzicht auf formelle Ämter und Kirchenstrukturen bedeutet dabei nicht den Verzicht auf Ordnung, sondern erst das Vertrauen auf die Leitung des Geistes ermöglicht erst Ordnung in der Versammlung. Jedes Chaos, jede Uneinigkeit in der Gemeinde ist ein Zeichen dafür, dass der Herr Jesus nicht der Mittelpunkt des Zusammenkommens ist: »Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens« (1. Korinther 14,33). Christen verzichten deshalb gerne auf klerikale Strukturen und die Vergabe von Ämtern, um einerseits erkennen zu können, wenn sie sich nicht mehr vom Heiligen Geist leiten lassen. Und andererseits, um den gewaltigen geistlichen Segen erfahren zu können, den der Herr Jesus seiner Versammlung zukommen lässt, wenn ihm die volle Autorität in ihr zukommt.
Keine Unabhängigkeit - die Einheit des Geistes bewahren
Der höchste Ausdruck göttlicher Ordnung im Volk Gottes ist die Darstellung der Einheit der Kirche in der Welt. In geistlicher Hinsicht gibt es nur eine Kirche, nur einen »Leib Christi«. Leider stellt die Vielfalt der verschiedenen Kirchenorganisationen diese Einheit bis heute in Frage. Dabei ist die Darstellung dieser Einheit ein ebenso wortloses wie gewaltiges Zeugnis für den Herrn Jesus in der Welt. Er selbst hat seinen Jüngern das Vermächtnis mit auf ihren Weg gegeben, diese Einheit als ein »Erkennungszeichen« aufrechtzuerhalten: »damit sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, damit auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.« (Johannes 17). Auch der Apostel Paulus forderte die Gläubigen auf, die Einheit des Geistes zu bewahren (Epheser 4,3). Um diese Einheit zu bewahren, müssen Christen von ihrem Haupt, dem Herrn Jesus, abhängig sein. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass Versammlungen an jedem Ort »eines Sinnes« sind und innere Spaltungen vermeiden (1. Korinther 1,10). Darüber hinaus müssen örtliche Versammlungen auch als Gruppe die Unabhängigkeit von ihrem Haupt vermeiden. Dazu gehört auch, dass Entscheidungen von Christen, die an anderen Orten der Welt nach biblischen Grundsätzen zusammenkommen, von ihnen anerkannt werden. Denn in seiner Gnade hat der Herr Jesus Christen, die an einem Ort zusammenkommen, die Zusage gegeben, ihre Enscheidungen im Himmel anzuerkennen (Matthäus 18,18), sofern sie alleine zu seinem Namen hin versammelt sind. Ohne die wechselseitige Anerkennung solcher Urteil ist kirchliche Einheit nicht möglich. Jede Unabhängigkeit von dem, was im Himmel anerkannt ist, zerstört die Sichtbarkeit der Einheit der Kirche.
2. Versammlungsverbot 1937 - nicht aus heiterem Himmel
Am 13. April 1937 wurden die »Christlichen Versammlungen« per Runderlass des Reichsministeriums des Inneren verboten. Am 28. April 1937 war daraufhin in der deutschen Tagespresse folgende Anordnung zu lesen: »Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat hat der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Inneren folgende Sekten mit sofortiger Wirkung für das gesamte Reichsgebiet aufgelöst und verboten: die Sekte „Schoppendacher Freundeskreis“, die Sekte „Siebenten-Tags Adventisten vom III. Teil“ und die Sekte „Christliche Versammlung“ auch „Darbysten“ oder „Christen ohne Sonderbekenntnis“ genannt.« (Kretzer, Dokument Nr. 2, S. 72). Mit den »Christlichen Versammlungen« waren Christen gemeint, die die oben genannten kirchlichen Grundsätze verwirklichen wollen. Schon am 29. April 1937 reagierten mehrere Brüder aus den Reihen dieser Christen mit einem Schreiben an die Gestapo, in dem sie ihre Überraschtheit von dem Verbot zum Ausdruck brachten und haben um eine Aufhebung der Anordnung ersucht. Dass der Staat diesem Ersuchen nicht nachkam, sollte aber nicht wundern.Verhältnis der Welt und des Nationalsozialismus zur Versammlung Gottes
Die Bibel lässt keinen Zweifel am gespannten Verhältnis zwischen Christen und den Herrschaftsstrukturen dieser Welt aufkommen. Das gilt unabhängig vom jeweiligen politischen Regime. Der Herr Jesus warnte seine Jünger: »Wenn ihr von der Welt wärt, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt.« (Johannes 15,19). Die inhärente geistliche Feindschaft zwischen der Welt und dem Volk Gottes wurde in der Zeit des Nationalsozialismus zu einem offen ausgetragenen Konflikt. Aus Sicht des Nationalsozialismus waren gläubige Christen ein Fremdkörper in der »Volksgemeinschaft«. Ihre Weigerung, in dem Erfüllung zu suchen, was diese Welt verspricht, wurde von Nationalsozialisten, die keine Beziehung zur wahren Quelle des Lebens hatten, als ein Fehlen von »Lebensbejahung« geschmäht und verurteilt. Das Versammlungsverbot von 1937 legte einen fundamentalen weltanschaulichen Gegensatz offen. Es kam deshalb nicht zufällig, sondern war längerfristig vorbereitet.Adolf Hitler hatte in seinem Buch »Mein Kampf« keinen Zweifel daran gelassen, in welchem Verhältnis er zum Christentum stand: »Diese Erhaltung [der Angehörigen einer schöpferischen Rasse] aber ist gebunden an das eherne Gesetz der Notwendigkeit und des Rechtes des Sieges des Besten und Stärkeren. Wer leben will, der kämpfe also, und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht.« (S. 316) und »Gerade für die Masse ist der Glaube häufig die einzige Grundlage einer sittlichen Weltanschauung überhaupt. Die verschiedenen Ersatzmittel haben sich im Erfolg nicht so zweckmäßig erwiesen, als daß man in ihnen eine nützliche Ablösung der bisherigen religiösen Bekenntnisse zu erblicken vermöchte. […] Solange aber ein […] Ersatz anscheinend fehlt, kann das Vorhandene nur von Narren oder Verbrechern demoliert werden.« (S. 293). Adolf Hitler hatte frühzeitig klar gemacht, dass er den »religiösen Bekenntnisse« seiner Zeit nur so lange eine Existezberechtigung beimisst, bis ein in seinen Augen würdiger Ersatz für sie gefunden ist. Dieser würdige Ersatz konnte in den Augen der Nationalsozialisten nur ihre eigene, heidnische, unchristliche Ideologie sein. Und seit 1933 wurden Zahlen und Strukturen von Christen, die sich »alleine zum Namen des Herrn Jesus versammeln« wollen, systematisch erfasst.
Reaktionen der Christen auf das Verbot
Die Reichsregierung hat den Christen, die sich im Deutschen Reich alleine zum Namen ihres Herrn Jesus hin versammeln wollten, das Angebot gemacht, sich unter bestimmten Bedingungen weiter örtlich versammeln zu dürfen. So sollten die örtlichen Gemeinden sich formell in einer überregionalen, zivilrechtlich verfassten Organisation zusammenschließen. Sie sollten reichsrechtlich verfasste Vereine gründen und sich entsprechend einen Namen geben. Außerdem sollten sie Vorsitzende sowie lokale und überregionale Amtsträger benennen, also faktisch klerikale und nach ihrem Verständnis schriftwidrige Strukturen aufbauen. Als Reaktion auf das Versammlungsverbot haben verschiedene Christen noch im Verlauf des Jahres 1937 den »Bund freikirchlicher Gemeinden« (BfC) gegründet. Dieser setzte die vom Staat bestimmten Kriterien in Absprache mit den Behörden in die Tat um. Dieser Vereinigung schlossen sich schätzungsweise 88 Prozent bis 95 Prozent der zu dieser Zeit etwa 60.000 Christen, die sich im deutschen Reichsgebiet unter Beachtung der oben aufgeführten biblischen Kriterien des Zusammenkommens versammelt hatten, an.Andererseits gab es aber eine Minderheit von 5 Prozent bis 12 Prozent Christen, die in Briefwechseln zwischen Versammlungen im In- und Ausland sowie auf eilig einberufenen Konferenzen deutlich zum Ausdruck brachten, dass sie nicht dazu bereit waren, in dieser Art mit dem Staat zu kooperieren. Sie hatten erkannt, dass sie, wenn sie die staatlichen Forderungen erfüllten und sich dem BfC anschlössen, den zu Anfang beschriebenen Platz des Zusammenkommens der Christen allein zum Namen ihres Herrn Jesus verlassen würden. Sie waren nicht bereit, die biblischen Grundsätze des Zusammenkommens aufzugeben und waren entschlossen, auch weiterhin von weltlichen Institutionen abgesondert zu bleiben.
Viele dieser Christen hatten erkannt, dass Gott ihnen mit dieser heiklen Situation eine Strafe und Prüfung auferlegt hatte. Viele dieser Christen sind in der Folge weiterhin dem Wunsch des Herrn Jesus nachgekommen, sich regelmäßig alleine zu seinem Namen hin zu versammeln. Manche sind zu diesem Zweck ins Ausland gegangen. Viele haben sich aber im Geheimen in Wohnzimmern versammelt, um das Gedächtnismahl zu feiern. Viele wurden dafür verfolgt, zu Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt oder auch in Konzentrationslager gebracht. Diese 5 bis 12 Prozent trugen Schmach dafür, sich auch in schwierigster Zeit bei ihrem Herrn Jesus, außerhalb des Lagers, aufhalten zu können. Sie stellten auch in Zeiten von Not und Verfolgung die Gemeinde Gottes in Deutschland so dar, wie es den oben dargestellten biblischen Grundsätzen entspricht.
3. Fazit
In der Folge des Versammlungsverbots des Jahres 1937 sind viele Christen in Deutschland große Risiken eingegangen, um sich weiterhin an dem Platz versammeln zu können, an dem sie ihren Herrn Jesus in ihrer Mitte wussten. Sie haben sich keine weltliche, zivilen Organisationsform gegeben. Sie gaben sich keinen Namen und haben sich in keine Schublade einsortieren lassen außer in die, in die die Welt auch ihren verworfenen Herrn einsortiert. Sie ließen keine Autoritäten in ihrer Mitte zu außer der des Heiligen Geistes. Und sie stellten die Einheit der Versammlung nicht in Frage, beteiligten sich nicht an der Gründung einer weiteren Sekte und erkannten Urteile von Geschwistern im Ausland als im Himmel anerkannt an. Dadurch nahmen sie nicht nur Konflikte mit der Obrigkeit in Kauf, sondern auch Streit mit anderen Christen. Es kam zu schmerzhaften Trennungen, die mitten durch Ortsversammlungen und durch Familien gingen sowie zu viel Leid durch Haftstrafen und Konzentrationslager führten.War die strikte Treue der 5 bis 12 Prozent zu biblischen Grundsätzen des Zusammenkommens den hohen Preis wert? Von einem weltlichen Standpunkt aus kann diese Frage nicht beantwortet werden. Drei Jahre Lagerhaft oder ein zerstörter Familienfrieden sind kaum abzuwägen gegen die Einhaltung eines kirchlichen Prinzips. Die Frage muss vielmehr lauten, was diese Standhaftigkeit für Gott gebracht hat. Die Standhaftigkeit dieser wenigen Geschwister trug in geistlicher Hinsicht etwa dazu bei, dass in einer Zeit, in der Millionen bekennender Christen in Deutschland den Herrn Jesus durch ihre Einsmachung mit dem nationalsozialistischen Staat massiv verunehrten, zumindest etwa 3.000 bis 7.000 Christen als lebendiges, heiliges und leuchtendes Zeugnis für den Herrn Jesus übrig waren. In ihnen hatte Gott außerdem eine gewaltige Schar, von denen Gott das annehmen konnte, was er von den Menschen erwartet und sucht: Anbetung in Geist und Wahrheit (Johannes 4).
Was können wir als Christen heute von der Beschäftigung mit dem Versammlungsverbot 1937 und von den Christen lernen, die trotz aller Anfechtungen den Weg der biblischen Wahrheit über das Zusammenkommen weiter gegangen sind?
- Distanz zu Welt und Staat
Die Beschäftigung mit dem Versammlungsverbot kann uns in Erinnerung rufen, dass Christen und die Versammlung Gottes von der Welt keinerlei Freundschaft zu erwarten haben. »Wenn ihr von der Welt wärt, würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt, wir sind nicht von der Welt, deshalb hasst uns die Welt.« (Johannes 15,19). Das Leben als Christ mag in Deutschland heute einfacher sein als im Jahr 1937. Heute werden in Deutschland weniger offensichtliche Greueltaten begangen als von 1933 bis 1945. Doch die Bibel zeigt uns, dass eine Welt, die den Schöpfer des Weltalls nicht als ihren Herrn anerkennt, in ihrem Wesenskern in moralischer Hinsicht heute keineswegs besser oder schlechter als damals. 1937 mahnt uns deshalb dazu, uns nicht mit der Welt Eins zu machen, sondern auf den Tag zu warten, an dem der Herr Jesus wiederkommen und die Herrschaft über die Erde übernehmen wird.
- Zeitgeist, und Weltförmigkeit: Treue geht vor Modernität
Man kann sich die Frage stellen, wieso viele Christen 1937 dem Drängen des Staates teilweise bereitwillig nachgegeben haben. Warum haben sich viel von ihnen sogar offen zum Nationalsozialismus bekannt? Ein Grund mag sein, dass viele Christen damals »mit der Zeit gehen« wollten. Die Mehrheit der Menschen sah damals im nationalsozialistischen Umschwung eine neue Zeit heranbrechen und man wollte nicht »hinten runterfallen«, nicht unmodern sein. Deshalb müssen auch wir uns heute fragen, welche »Zukunftsmodelle« die Welt heute präsentiert. Christen müssen wachsam gegenüber »Moden« und weltlichen Entwicklugnen sein. Auch wir müssen uns heute fragen, ob wir modern oder ob wir treu sein wollen.
- Bibel kennen und befolgen - auch in kirchlichen Fragen
Viele Christen sind trotz aller Widrigkeiten biblischen Prinzipien des kirchlichen Zusammenkommens treu geblieben. Sie wußten nicht, wohin sie dieser Weg führen würde. Sie wußten nicht, ob sie und ihre Familien in Konzentrationslagern den Tod finden würden. Aber sie kannten die Bibel, die ihnen den Ort zeigte, an dem der Herr Jesus in der Mitte ist. Sie glaubten daran, dass sie nur an diesem Ort mit seinem Segen rechnen können. Auch wir müssen die Bibel kennen, um in schwierigen Situationen den richtigen Weg gehen können. Und die Bibel zeigt uns, dass noch viele schwierige Situationen kommen können, bevor unser Herr Jesus wiederkommt, um uns zu sich zu holen (1. Thessalonicher 4,16f).
- Bubenzer, Daniel/Bubenzer, Philipp/Rossel, Jean-Dennis (2018): Die Gemeinde. Welche Gemeinde ist die richtige?, GBV Dillenburg, Download bei lechmin.ch.
- Jordy, Gerhard (2012): Die Brüderbewegung in Deutschland. Gesamtausgabe, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg.
- Kretzer, Hartmut (1987): Quellen zum Versammlungsverbot des Jahres 1937, Ernst-Paulus-Verlag.
- Menk, Friedhelm (1986): Die Brüderbewegung im Dritten Reich, Christliche Literatur-Verbreitung e.V.
- Steinmeister, Andreas (2004): ...ihr alle aber seid Brüder. Eine geschichtliche Darstellung der "Brüderbewegung", Daniel-Verlag.
- Sprich, Christoph (2018): Versammelt in schwieriger Zeit. Der Platz des Zusammenkommens und das 'Versammlungsverbot' von 1937, Powerpoint-Folien eines Vortrags in Berlin am 6. Mai 2018 (Download von OneDrive)
