Dienstag, 16. April 2019

Raum zur Anbetung: Wo zwei oder drei versammelt sind

Nach ihrer Rückkehr aus dem babylonischen Exil stand der jüdische Überrest geschockt vor den Trümmern ihres Tempels. Ein Teil der Rückkehrer war geschockt. Die, die "das erste Haus gesehen hatten, weinten mit lauter Stimme" (Esra 3,12). Dass Gott rund 300 Jahre zuvor Wohnung inmitten von Menschen genommen hatte war ein gewaltiger Grund zur Freude. Doch der Schöpfer des Himmels und der Erde hatte seine prachtvolle Wohnung wieder aufgegeben - welch ein dramatischer Vorgang.

Aber da war noch der andere Teil der Rückkehrer. Die jüngeren Juden hatten den alten Tempel nie gesehen. Sie kannten nur Babylon, in dem ihr Gott gar keine Rolle spielte. Sie sahen nicht auf schöne Erinnerungen, sondern auf die kleinen Fortschritte, die ihnen die Hoffnung gaben: Wir werden Gott begegnen können! Sie weinten nicht, im Gegenteil, inmitten der Trümmer erhoben sie ihre "Stimme mit freudigem Jubel" (Esra 3,12). Die Trümmer von Notre Dame geben keinen Grund zum Jubel. Doch Fundamente und Grundmauern stehen noch. Wir dürfen die Hoffnung haben, die Schönheiten des Gebäudes wieder sehen zu können.

Grund zum Jubeln ist aber, dass Gott durch seinen Sohn Jesus Christus Wohnung genommen hat unter Menschen. Wir haben einen Raum zur Anbetung, der nicht aus Steinen ist und der nicht zerstört werden kann. Das ist genau der Ort, von dem er sagt: »wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte.« (Matthäus 18,20). Zwar ist auf dem Trümmerfeld der gegenwärtigen Kirche nicht viel von der Herrlichkeit dieses Ortes zu sehen. Die Alten haben Grund zur Trauer, wenn sie Jahrzehnte zurückdenken. Doch die Grundlage für den Bau ist gelegt, so wie die Fundamente von Notre Dame noch heute stehen. Und so wie der Wiederaufbau der wunderbaren Kirche in Paris heute beginnen kann, so ist jeder Tag ist eine neue Chance, an der Versammlung Gottes zu bauen. Bei aller Trauer um das, was war, gibt und Gott auch Grund zur Hoffnung für das, was wird.