Christliches Land ohne christliches Bekenntnis
In Deutschland gehörten zuletzt 51,2 Prozent einer der beiden großen Kirchenorganisationen an (Statistisches Bundesamt 2019). 64,2 Prozent der Einwohner bezeichnen sich als Christen (Eurobarometer 2018). Dennoch spielen der Herr Jesus und die Botschaft der Bibel nur eine untergeordnete Rolle im öffentlichen Leben. In welcher Talkshow ging es denn zuletzt um ein biblisches Thema? Wann hat zuletzt ein Poltiker eine politische Haltung mit seinem Gehorsam gegenüber seinem Herrn begründet? Wann spielte die Auslegung christlicher Glaubensgrundsätze eine Rolle im deutschen Bundestag? Wann haben wir zuletzt einen Bibelvers in einer Kommentarspalte einer Tageszeitung gelesen? Wie oft begründen Schulleiter pädagogische Maßnahmen mit christlicher Ethik?
Pluralismus, Furcht und Scham: Schweigen hat Gründe
Die Gründe für das Verschwinden des christlichen Bekenntnisses aus dem öffentlichen Raum sind vielfältig. Viele Christen sind der Ansicht, dass in einer pluralen, säkularen Gesellschaft der Glaube Privatsache sein sollte. Da ist sicher etwas dran, wenn es um um hoheitliche Entscheidungen geht. In unserer pluralen und dazu demokratischen Gesellschaft werden die Ausgaben des Staates schließlich auch von den 35,8 Prozent der Bevölkerung getragen, die sich nicht als Christen verstehen. Doch das würde weder Politiker, Journalisten, Pädagogen noch irgendjemanden davon abhalten, sich im persönlichen Gespräch oder auch öffentlich zu ihrem Glauben an den Herrn Jesus zu bekennen. Eine viel größere Rolle scheinen mir Scham und Sorge vor Ablehnng zu spielen. Man findet es schlicht peinlich, über Jesus zu sprechen. Das ist kein "Gewinnerthema" auf Parties und Empfängen. Oder man sorgt sich um Meinungen von Menschen, die einen anderen Glauben haben. Nicht zuletzt fürchtet man Verachtung, Widerstand oder Anfeindungen, etwa, wenn es um Themen wie Gottes Gericht über die Sünde, über Fragen des Lebensrechts, über das biblische Geschlechterverständnis oder um Fragen der Sexualität geht. Für christliches Bekennntnis bleibt da kaum Platz, allenfalls hört man zaghaft etwas von einem "christlichen Menschenbild", von "jüdisch-christlichen Wurzeln" oder davon, dass man ja auch mal ein Weihnachtslied singen könne.
Christus ließ sich nicht durch Scham und Furcht abhalten
Was auch immer die Gründe für das Schweigen um den Herrn Jesus und sein Evangelium sind: Die Zurückhaltung hat negative Auswirkungen. Die schlimmste Folge unserer Scham, Christus zu bekennen, ist dabei nicht etwa der Verlust an Identität, auf die der Westen gerade in Zeiten der Globalisierung so dringen angewiesen wäre. Auch der Moral- und Werteverfall ist nicht das größte Problem. Das eigentliche Problem ist die Scham, die Jesus Christus uns für unser Schweigen entgegenbringt: "Denn wer irgend sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn er kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln." (Markus 8,38). Der Herr Jesus hat sich nicht dafür geschämt, für uns ans Kreuz zu gehen. Um uns zu erretten, hat er sich vollkommen entäußert, hat sich verspotten, schlagen, kreuzigen lassen. Lasst uns in der Zeit, bevor er wieder kommt, zu ihm stehen. Und wenn uns das einen Preis kostet, lasst uns daran denken: Er hat für uns einen ungleich höheren Preis bezahlt.
