Dienstag, 1. Dezember 2020

Was eine mutige Christin im Verfolgungsjahr 1937 über Standfestigkeit lehrt


Für bibeltreue Christen sind die Zeiten zunehmend schwierig. Die Äußerung biblischer Wahrheit wird immer häufiger sanktioniert. Der Herr Jesus will, dass wir auch in feindlicher Umgebung klug handeln. Klara Becker-Emde ist mir dabei ein Vorbild. Sie hat öffentlich Stellung bezogen unter Bedingungen, die unvergleichlich schwieriger waren als die heutigen.

Heute genießen Christen in Deutschland große Freiheiten. Doch nach christlichen Überzeugungen zu leben und biblische Wahrheiten auszusprechen wird schwieriger. Politische Maßnahmen, gesellschaftliche Stimmungen und aktuelle Gerichtsurteile deuten darauf hin, dass es Risiken mit sich bringt, sich offen zu biblichen Wahrheiten zu bekennen. Gleichzeitig erfordert der rapide moralische Abfall unserer Tage mehr denn je, dass Christen Stellung beziehen und zur biblischen Wahrheit stehen. Einschüchterungen der Welt sollten uns davon nicht abhalten. Die Bibel zeigt uns deutlich, dass eine Welt, die den Sohn des Menschen gekreuzigt hat, auch zu seinen Nachfolgern nicht freundlich sein wird. Wenn wir trotz Anfeidungen mahnen wollen, müssen wir uns an den Befehl des Herrn Jesus erinnern, dass wir uns gegenüber der Welt klug verhalten sollen: "Siehe, ich sende euch wie Schafe inmitten von Wölfen; so seid nun klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben." (Matthäus 10,16). 

Klara Becker-Emde musste als Christin in einem weit gefährlicheren und intoleranteren Umfeld bestehen. Doch sie hat gezeigt, wie das gehen kann. Umgeben von den "Wölfen" der NS-Diktatur hat sie Stellung bezogen. Am 13. April 1937 wurden in Deutschland Zusammenkünfte von Christen außerhalb der weltlich verfassten religiösen Einrichtungen verboten. Damals wie heute gab es eine babylonische Vielfalt von Kirchenorganisationen, obwohl die Bibel nur die eine Kirche kennt, in der Jesus Christus Haupt und Mittelpunkt ist. Der NS-Staat wollte auch die Christen vereinnahmen und an kontrollierbare Organisationen binden, die "außerhalb des Lagers" standen, die alleine dem Wort Gottes treu sein wollten. Leider beugten sich viele Christen dem politischen Druck. Sie verließen ihren Platz außerhalb der Denominationen und fügten sich in zivilrechtliche Organisationsstrukturen ein. Andere Christen blieben jedoch ihrer Überzeugung treu und versammelten sich weiterhin auf dem Boden der einen Kirche. Diese Treffen fanden geheim statt, man kehrte - bildlich gesprochen - in die Katakomben Roms zurück. Offener Widerspruch gegen die staatlichen Maßnahmen schien hingegen kaum möglich. 

In dieser schwierigen Lage veröffentlichte Klara Becker-Emde am 6. Mai 1937 - wenige Tage nach Bekanntwerden des Versammlungsverbots - ein Gedicht. In biblischen Bildern verschlüsselt formuliert sie scharfe Kritik an der Politik und an einer unbiblischen Form christlicher Praxis, die den einen Leib in Organisationen zerteilt und den Christen in weltliche Bindungen führt:

Sie schirrten stattliche Kühe
einem neuen Wagen vor
und gaben sich viel Mühe
und sangen im Jubelchor.
Sie stellten die heilige Lade
hoch oben auf das Gefährt
und wähnten, dass Gottes Gnade
sei ihrem Dienste gewährt.

Doch, ob in vollen Chören
ihr Jauchzen weithin drang,
es war nur Selbstbetören,
Geklirr und Schellenklang.
Wo immer das Fremde, Neue
sich hebt über Gottes Gebot,
da bringt es Trübsal und Reue
und Strafgericht und Tod.

Denn, alles menschliche Meinen
ist nichtig und ohne Wert,
es gibt nur einen Weg, einen,
den göttliche Vorschrift gelehrt. –
Und trüge man Fett der Stiere,
Brandopfer und Räucherwerk her,
Feinmehl und Blut reiner Tiere –
Gehorsam, Gehorsam ist mehr.

Becker-Emde hatte erkannt, dass manche Christen, eingeschüchtert von der weltlichen Macht, drauf und dran waren, sich auf einen Weg zu begeben, den Gott nicht segnen konnte. Sie hatte auch erkannt, dass in den Augen Gottes weder äußerer Schein noch Ansehen, sondern allein Gehorsam gegenüber Gott zählt. Sie hat ihre Erkenntnis aber nicht in ihrem Herzen eingeschlossen. Sie hat auch in schwierigster Zeit auf Unrecht aufmerksam gemacht, Mitchristen zum Nachdenken und zum Handeln ermutigt. Wenn auch in verschlüsselter Form, schlagenhaft klug und taubenhaft ehrlich. Darin soll sie uns ein Vorbild sein in der heutigen Zeit. Obwohl christliche Werte immer weniger in der Gesellschaft geteilt werden genießen wir nach wie vor sehr große Freiheiten. Lasst sie uns nutzen, um für unseren Herrn Jesus und für die biblische Wahrheit einzutreten.